Trügerische Idylle eines Bergvolkes

Grösser könnten die Gegensätze nicht sein. Da wäre die grosse Stadt. Zürich. Die Finanzmetropole der Schweiz. Eine junge Frau flüchtet verletzt aus dem Prime Tower. Dem höchsten Gebäude der Stadt. Doch sie will auf keinen Fall in ein Spital. Später wird sie tot aufgefunden. Auf einem Scheiterhaufen verbrannt an der Sihl.

Die Ermittlungen führen Kommissar Eschenbach ins Muotathal. In die Heimat der Wetterschmöcker. Über die wahren Wetterpropheten habe ich hier bereits berichtet. Viel ländlicher als in diesem Schwyzer Tal geht es nicht mehr.

“Nein. Ich wohne im Muotathal.”
“Wo?”
“Im Mu-o-ta-thal.” Der Alte formte jede Silbe mit dem Mund. Der Bart zitterte.

Vom Land bis ins Topmanagement der Weltkonzerne

Die Tote, Clara Thüring, hatte ihren Ursprung in eben diesem Tal. Mit den urchigen Einwohnern. Die sich in ihrer eigenen, wohlbehüteten Welt des Muotathals am wohlsten fühlen. Doch Clara Thüring war zuletzt heimisch in den Teppichetagen von international tätigen Rohstofffirmen und stand kurz vor dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Mit seiner schöpferischen Kraft war der Mensch aber auch in der Lage, grosse Zerstörungen anzurichten. Das war die Kehrseite der Medaille.

Doch was ging schief? Wer hatte etwas dagegen, dass Clara Thüring den Chefposten einer neu fusionierten Firma antritt? Hat ihr Tod damit überhaupt etwas zu tun? Oder liegen die Gründe vielmehr in ihrer Vergangenheit auf dem Lande?

Begabte Kinder aus dem Muotathal

Vier Adoptivkinder wachsen vor Jahren in Muotathal auf. Aus unterschiedlichen Gründen hatten sie früh ihre Eltern verloren. Bei allen war kriminelle Energie im Spiel. Eine Gemeinsamkeit führt zum Hof von Alois Thüring. Dieser hatte Kommissar Eschenbach noch vor bekannt werden des Todes von Clara Thüring aufgesucht. Er vermisse seine Nichte, Clara. Doch ist das wirklich wahr? Und wer sind die vier Kinder von damals? Zwei Jungen, zwei Mädchen. Wie heissen sie und was machen sie heute?

“Sie war bei ihm.”
“Das ist nicht wahr, oder?” Roth ging ein paar Schritte, atmete tief durch. “Du hast mir gesagt, sie ist in Sicherheit. Und überhaupt, wie kommt es …?”
“Ich weiss es nicht”, unterbrach sie ihn.
Roth schüttelte verständnislos den Kopf. “Hört das denn nie auf?”

Vieles bleibt lange im Unklaren. Doch eines wird bald einmal klar. Die vier Kinder sind überdurchschnittlich begabt. Und mindestens drei von ihnen bekleiden heute Positionen im obersten Management von namhaften Konzernen.

Ja, und inmitten von diesen so gar nicht offiziellen Ermittlungen durch Kommissar Eschenbach muss dieser noch einen Praktikanten einlernen. Da er ja eine ach so gute Führungskraft ist. Und seine Mitarbeiter immer nur die besten Noten von ihm kriegen. Der etwas trottelige Praktikant Jules Buser trägt jedoch erstaunlich viel zur Lösung des Falles bei.

“Herr Buser”, sagte Eschenbach leise. Es klang fast ein wenig beschwörend. “Ich verstehe Ihre Freude am Fotografieren … Ihre Hingabe an die Literatur. Aber wenn Sie nur das Geringste haben, was uns verdammt noch mal interessieren könnte …”

Mehrere Fälle oder doch nicht?

Zur gleichen Zeit wird in der Stadt Zürich eine tote Frau aus der Limmat gefischt. Claudio Jagmetti, Eschenbachs Mitarbeiter, entdeckt bei seinen Nachforschungen weitere Todes- und Vermisstenfälle, die damit zu tun haben müssen. Aber was hat das nun wieder mit der toten Clara Thüring zu tun? Wurde nicht auch sie an einem Fluss aufgefunden?

Wie immer unterstützt die Sekretärin Rosa Mazzoleni den Kommissario in allen Belangen. Mit ihrem italienischen Temperament bringt sie etwas Leben in die Kriminalistenbude. Auch wenn sie manchmal fast verzweifelt, wenn der Kommissar mal wieder unauffindbar ist.

“Was? Wie?!” Rosa sprang von ihrem Stuhl auf, als hätte es dem Böögg den Kopf weggesprengt. “Wir sind doch mitten im Mitarbeitergespräch.”
“Es gibt Tote”, sagte der Kommissar trocken. “Tote haben Priorität.”

Etwa wenn dieser mit Ewald Lenz geheimen Nachforschungen nachgeht. Dank seinen Beziehungen wird Lenz immer dann zur Hilfe gerufen, wenn der Kommissar auf offiziellem Weg nicht mehr weiter weiss. Doch diesmal liegt Lenz im Spital. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, ein bisschen zu telefonieren, um an Informationen zu kommen.

In Lebensgefahr

Für den Leser wird bald einmal klar, wer die Bösewichte sind. Mit diesem Wissen macht man sich jedoch umso mehr Sorgen um den Kommissar und seine Tocher, Kathrin. Die ist mal wieder bei ihm eingezogen, nachdem sie sich von ihrem Freund getrennt hat. Die Ereignisse fangen sich an, zu überschlagen.

Kommissar Eschenbach wird verletzt, sogar der Fall wird ihm nun auch offiziell entzogen. Doch da ist die ganze Sache bereits zu persönlich. So sehr, dass am Ende seine Tochter und auch der Kommissar in höchster Lebensgefahr schweben.

Der Schuss aus Thürings Flinte hätte ihm auch den Hals zerfetzen können. Und wer wusste schon, wie es beim nächsten Mal ausging, mit seinen Eskapaden, wie Rosa es nannte. Ein schneller Tod vielleicht, der ihm gänzlich den Tag verdarb?

Die grösste Überraschung des Buches folgt, nachdem der Fall bereits gelöst ist. Ein letztes Mal reist Eschenbach ins Muotathal. Aber was er hier erlebt, steht im Buch und soll selbstverständlich eine Überraschung bleiben.

Die Fälle von Kommissar Eschenbach

Wetterschmöcker ist der bisher fünfte Fall von Kommissar Eschenbach. Genau so viele Jahre mussten wir warten auf den neusten Roman aus der Feder von Michael Theurillat. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Fall schneller gelöst und gelesen werden darf. Nachfolgend die bisherigen Fälle von Kommissar Eschenbach:

“Nicht alle, die einem auf die Nerven gehen, sind Psychopathen”, zitierte Eschenbach den Psychiater und gähnte. “Aber die die es sind, tun es garantiert.”
Er stand auf, ging zum Schrank und kam mit einer Flasche Rémy Martin und zwei Gläsern zurück. “Lass uns das mal resümieren”, sagte er, während er den Cognac eingoss.

Der Autor

Michael Theurillat Wetterschmöcker

Quelle: Ullstein.

Über den Autor, Michael Theurillat, ist nur wenig an Informationen zu lesen. Er wurde 1961 in Basel geboren und arbeitete jahrelang im Finanz- und Bankgeschäft. 2005 erschien sein Debütroman mit Kommissar Eschenbach, Im Sommer sterben. Heute lebt Michael Theurillat mit seiner Familie in der Nähe von Zürich.

 

 

 

Michael Theurillat: Wetterschmöcker. Ullstein, 2016.
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“Sie sind also tatsächlich Kommissar?”
“Hmm.”
“Kripo, oder?”
“Hm.”
“Mord und Totschlag.”
“Genau.”


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