Totgelacht in Totgespielt – Impro-Krimi vom feinsten

Kürzlich in der Stadt Zürich. Tatort: Töpferei. Opfer: der Fahrradkurier. Täter: wird gesucht. Oder war es gar eine Täterin? Wird trotzdem gesucht. Kommissar: Willi Reto Stämpfli. Regie: das Publikum. Wiederholung: keine! Zumindest nicht so. Nicht genau so. Was wir im Theaterstück Totgespielt zu sehen bekamen, war schlichtweg genial. Von acht bis halb elf haben wir uns krumm gelacht. Gäbe es papierene Tickets, müsste dort zwingend ein Hinweis auf die Nebenwirkungen drauf sein. Wir haben uns schlichtweg totgelacht!

Aber fangen wir mal vorne an. Bereits gut gelaunt steuern wir eine Stunde vor Beginn die Töpferei in der Stadt Zürich an. Wir möchten unsere Tickets bereits mal abholen, um uns anschliessend noch eine kulinarische Stärkung zu gönnen. Aber wir sind hier nicht in irgend einem Theater. Wir bezahlen, werden von der Liste gestrichen und gönnen uns ein Maronibrot zum Apero. Tickets benötigen wir keine – die Dame am Thresen kennt uns jetzt.

Theater anundpfiersich Zürich

Totgespielt – der Impro-Krimi vom Theater anundpfiersich in der Töpferei Zürich.

Noch „kurz“ was essen

Na dann, gehen wir mal los. Um die Ecke steuern wir einen Inder an. Also vielmehr sein Restaurant. Das Restaurant Swaad an der Uetlibergstrasse. So rein zeitlich gesehen verfügen wir nun über ein äusserst knappes Budget. Wir riskieren es und trinken dann mal gemütlich unser Bier. Die Zeit läuft und das Essen lässt auf sich warten. Es ist jetzt aber nicht so, dass die Küche langsam war – wir hatten ganz einfach zu wenig Zeit.

Alles kein Problem: einpacken, bezahlen, tausend mal entschuldigen und los gehts zurück zum Theaterraum der Töpferei. Das Mitternachts-Lunch-Paket bereits dabei. Mehr als rechtzeitig sitzen wir zwei Minuten vor acht auf unseren Stühlen. Was jetzt folgen wird, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber es wird gut. Sehr gut sogar. Und noch etwas besser.

Vier Schauspieler und das Publikum

Das Licht geht weg. Das Gerede wird leiser und verstummt ganz. Der Spot geht an und mit musikalischer Begleitung betreten die vier Schauspieler die Bühne. Einer nach dem anderen wird vorgestellt. Danach die Spielregeln des Abends. Nicht ganz unwichtig, soll doch das Publikum prägend mithelfen, wie das Stück verlaufen soll.

Dazu benötigen wir erst einmal einen Schauplatz. An diesem Abend ist es die Kantonalbank. Aber wer spielt überhaupt mit? Auch dies entscheidet das Publikum. In der Folge bekommen wir die Lehrtochter Denise (oder Dönis?) zu sehen, den Prokuristen Bruno, Frau Schnörwiler von der Aufsichtsbehörde sowie den Fahrradkurier. Dessen Namen ich schon wieder vergessen habe. Der lebt jedoch nicht lange. Mit dem lautesten „Stirb“-Schrei aus den Zuschauerreihen wird der Fahrradkurier zum Mordopfer erkoren.

Theater anundpfiersich Zürich

Postkarte (Quelle: anundpfiersich)

Und voila – übernimmt dieser Schauspieler doch prompt die Rolle des Kommissars. Willi Reto Stämpfli. Er liebt Vasen und deutet in allen Gesichtern irgend ein weltbekanntes Porzellandings aus irgendeinem Jahrzehnt. Auch diese Vorliebe wurde ihm vom Publikum aufgebrummt. Nun muss er jedoch ermitteln. Im Mordfall am Fahrradkurier mit dem vergessenen Namen. Aufgefunden in der Frauenbadi in der Stadt Zürich. Aber alles deutet – wie konnte es anders sein – auf die Zürcher Kantonalbank hin.

Aufgebrachte Presse

Klar interessiert dies auch die Öffentlichkeit. Eine männliche Leiche in der Frauenbadi ist ja schliesslich nicht alltäglich. Eine weibliche genau so wenig. Nach einer kurzen Pause und einem Glas Weisswein – in meinem Fall – wird deshalb eine Pressekonferenz abgehalten. Es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, wer die Presse war. Klar: das Publikum. Und wer jetzt denkt, die Schweizer seien da immer so zurückhaltend, der hat sich in diesem Fall total getäuscht. Die Fragen schossen nur so heraus und der Kommissar kommt das eine oder andere mal etwas in Erklärungsnotstand.

Wer nur hat den Fahrradkurier auf dem Gewissen? Es gibt drei Hauptverdächtige. Nur der Täter selbst weiss, dass er (oder sie?) der Täter ist. Das Geheimnis liegt gut versiegelt im Top Secret Couvert unter dem Hintern eines Geburtstagskindes in der ersten Reihe. Das Geburtstagskind ist kein Kind mehr, sondern bereits eine Dame und hütet das Geheimnis sicher.

Die Stadt Zürich ist wieder sicher – bis …?

Kommissar Willi Reto Stämpfli ermittelt mit seinem Poncho und der teuren Uhr am Handgelenk. Er lädt die drei Hauptverdächtigen gemeinsam in sein stickiges Büro ein. Ein Motiv haben alle. Die Möglichkeit hatten auch alle. Aber nur einer – oder eine – hat es auch wirklich getan. Den Fahrradkurier mit dem roten BH stranguliert und in der Frauenbadi liegen gelassen.

Ich darf euch hier und jetzt eines mitteilen. Der Kommissar hat den Fall gelöst! Und er lag sogar richtig – was die Auflösung des Top Secret Couverts zeigte. Wir sind nun also wieder sicher in der Stadt Zürich und können auch im Winter in die Frauenbadi – auch wenn da keine hin will in der kalten Jahreszeit. Nur, wie lange können wir uns sicher fühlen?

In der Stadt Zürich darf die Adventszeit mit sicherem Gefühl in Angriff genommen werden. Der nächste Mord geschieht am Zürichsee zwischen Stäfa und Rapperswil. Am 5. November 2016 im Kulturschopf Feldach. Also nehmt euch in Acht. Oder noch besser: besorgt euch Tickets für die nächste Aufführung von Totgespielt.

Theater anundpfiersich Zürich

Theater in seiner Entstehung erfahren

Totgespielt ist nur eines der Improvisations-Formate von anundpfiersich. Seit 2005 improvisiert das Theater anundpfiersich auf den Bühnen der Schweiz und ganz Europa. Die elf Schauspielerinnen und Schauspieler unterhalten dabei mit ihren Impro-Theaterstücken das Publikum ohne vorab zu wissen, wie. Die Theatergruppe bietet auch Kurse, Trainings für Organisationen sowie diverse Seminare an. Weitere Informationen zum Angebot sowie natürlich der Spielplan findet sich auf der Homepage von anundpfiersich.

Improvisationstheater (oder kurz Improtheater) hat als Ausgangslage nur die Schauspieler, einen Bühnenraum und ein mitdenkendes Publikum. Ohne vorgegebenen Text, ohne Regie, ohne Bühnenbild entsteht Theater aus dem Moment. Die Spieler treten auf die Bühne, ohne zu wissen, welche Rolle sie verkörpern oder welche Geschichte sie spielen werden..

So steht es auf ihrer Webseite geschrieben. Auch wenn das Theaterstück noch nicht geschrieben ist. Eines ist garantiert: Es wird allerbeste Unterhaltung geboten! Wir haben uns auf jedenfall totgelacht in Totgespielt.

Ach ja. Es gibt auch Geschenkgutscheine für die Theater von anundpfiersich. Denkt daran, Weihnachten ist schon bald.

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