Wenn Totgeglaubte wiederkehren – Totenfang von Simon Beckett

Die Gezeiten spielen ihr tägliches Spiel aus Flut und Ebbe in den Backwaters östlich von London. Leichen tauchen auf. Und wieder unter. Werden geborgen und identifiziert. Doch nichts ist am Ende, wie es am Anfang scheint. Der Totgeglaubte taucht wieder auf. Lebend. Er wird als Mörder verdächtigt, kann es aber doch nicht gewesen sein. Nur, wer ist verantwortlich für die Toten im Mündungsgebiet von Essex?

Der fünfte Fall für Dr. David Hunter führt diesen in die rauhe Welt der Backwaters. Nicht nur die Küstenlandschaft, auch die Menschen dort sind schwer zu greifen. Als es für ihn nichts mehr weiter zu tun gäbe, überschlagen sich die Ereignisse und Hunter gerät in grösste Lebensgefahr.

Die Bücher von Simon Beckett stehen bei mir schon lange auf der Leseliste. Und nun habe ich es endlich geschafft. Für mich war Totenfang der erste, für Dr. David Hunter jedoch bereits der fünfte Fall der Reihe. Dadurch fehlte mir die Vorgeschichte der Hauptperson aus vier Büchern. Dies ist zwar nicht optimal, jedoch nicht weiter tragisch. Die Geschichte kann wunderbar ohne jegliche Vorkenntnisse gelesen werden.

Totenfang Simon Beckett

Totenfang – der fünfte Fall für den Forensiker Dr. David Hunter. (Quelle: Rowohlt Verlag)

Einsatz zwischen Land und Wasser

Endlich wieder wird der forensische Anthropologe Dr. David Hunter zu einem Einsatz gerufen. Nachdem sein Ruf in einem vorherigen Fall einigen Schaden genommen hatte, sinniert er über seine Wichtigkeit an der Universität. Der Einsatz kommt ihm somit gerade zur rechten Zeit. Auch hat er für das Wochenende eine Einladung, welche er nur zu gerne absagt. Wenn auch die Gründe durchaus unfreiwillig und nicht gewollt sind.

Dann, als würde er sich vom Tageslicht zurückziehen wollen, versank der Körper wieder im Wasser und verschwand.

In den Backwaters wird die stark verweste männliche Leiche gefunden. Die Backwaters sind ein “unwirtliches Mündungsgebiet in Essex, wo die Grenzen zwischen Land und Wasser verschwimmen”. So grenzt es an Zufall, dass die Leiche überhaupt gefunden wird. Schnell wird die Leiche identifiziert als den 31-jährigen Leo Villiers, welcher vor über vier Wochen spurlos verschwand. Insbesondere dessen Vater, Sir Stephen, beharrt darauf. Doch David Hunter ist sich dessen alles andere als sicher.

Sir Stephen hob den Kopf und fixierte Clarke mit kaltem Blick. “Ich habe Ihnen von Anfang an gesagt, dass mein Sohn tot ist, Detective Chief Inspector. Vielleicht akzeptieren Sie das endlich.”

Kurz darauf ist es Hunter, welcher an einer anderen Stelle des Küstengebietes einen Fuss findet. Dieser gehört jedoch definitiv zu einer anderen Leiche. Vermisst wird desweitern Emma Darby. Ihre Leiche wurde zwar bisher nicht gefunden, trotzdem wird Leo Villiers für ihren Tod verantwortlich gemacht. Doch was hat die zweite Leiche damit zu tun? Und wer sind die beiden Leichen überhaupt? Dr. David Hunter bemüht sich, die örtliche Polizei so gut es geht und soviel er darf, zu unterstützen.

Die Gefahr lebt

Auf der Fahrt von London an die Küste säuft Hunter mit seinem Wagen beinahe in der aufkommenden Flut ab. Andrew Trask, ein etwas mürrischer Zeitgenosse und Ehemann der verschollenen Emma Darby, zieht ihn aus dem Wasser. Der Wagen fährt jedoch keinen Meter mehr. So ist Hunter gezwungen, zu bleiben und nistet sich im Bootshaus der Familie ein. Umsorgt wird er von Rachel, Emmas Schwester. Hunter findet sie mehr als nur sympathisch. Doch wie weit darf er ihr trauen?

Ich stellte das Wasser ab und lauschte. Doch draussen tobte nur der Wind. Dann, als ich gerade den Hahn wieder aufdrehen wollte, hörte ich es noch einmal. Diesmal war es eindeutig. Ein abgehackter, kurzer Schrei.

Zwei Leichen wurden bisher gefunden. Der mutmassliche Mörder und Totgeglaubte, Leo Villiers, taucht wieder auf und kommt als Täter nicht länger in Frage. Die Ereignisse überschlagen sich. Stacey, die Tochter des Werkstattbesitzers Coker, verunfallt mit ihrem Wagen. Sie selbst ist an der Unfallstelle jedoch unauffindbar. Kurze Zeit später finden Rachel und Hunter sie im Haus des total verwirrten und verwahrlosten Edgar. Entblösst von den Füssen bis über den Intimbereich. Hat Edgar sie sexuell missbraucht und umgebracht? Ist er verantwortlich für die Morde in den Backwaters?

Ein explosives Peng durchfuhr die Festung. Es wurde von den Metallwänden zurückgeworfen und war viel lauter und näher als das erste Geräusch. Und dies war keine zufallende Tür: Der ohrenbetäubende Knall war unverkennbar.
Der Schuss einer Schrotflinte.

Als Rachel mit Hunter und dem lokalen Detective Inspector Lundy zu den alten Wehrtürmen vor der Küste raus fahren, begeben sich diese in allergrösste Lebensgefahr. Zu nahe kommen sie der Lösung des Falles. Der wahre Täter ist ihnen auf der Spur. Alleine in einem verfallenen Turm auf See. Und das nächste Unwetter steht unmittelbar bevor.

Mein Leseerlebnis

Die Gefahr ist spürbar. Höchste Spannung und totaler Nervenkitzel bis zum Schluss. Noch besser. Die Spannung spitzt sich immer mehr zu. Wer, zum Teufel noch mal, ist in diesen vom schlechten Wetter geplagten Backwaters von Essex verantwortlich für diese abscheulichen Taten? Wurde Emma Darby tatsächlich entführt und ermordet? Oder ist sie nur untergetaucht?

Kurz gesagt: das Buch ist genial zu lesen. Das Rätseln, wer denn nun die Morde begangen hat, bleibt einem beinahe bis zur letzten Seite erhalten. Spannung pur. Überaus interessant finde ich, wie der Forensiker Dr. David Hunter einen grossen Teil zur Auflösung beiträgt, ohne wirklich lange offiziell in die Ermittlungen eingebunden zu sein.

Und doch hält ihn immer wieder irgend ein Detail davon ab, nach London zurück zu reisen. Oder er stösst auf einen neuen Hinweis. So erging es auch mir als Leser von Totenfang. Es war schwierig, das Buch wegzulegen für eine Lesepause. Aus welchen Gründen auch immer. Aber es ist nunmal so, dass der Mensch den Schlaf braucht.

Ich liess die Taschenlampe sinken. Mir war schlecht. Während die Dunkelheit das tote Mädchen wieder umhüllte, tat ich ein paar beruhigende Atemzüge, erschüttert von dem, was ich gesehen hatte.

Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich die (zu) häufige Verwendung der Abkürzungen für die Dienstgrade der Polizisten. DI, DCI und was es sonst noch gibt. Für mich schwierig, da ich dann doch immer den vollen Ausspruch lese. Oder denke. Detective Inspector, Detective Chief Inspector und so weiter.

Der Autor und seine Bücher

Simon Beckett wurde 1968 in der nordenglischen Stadt Sheffield geboren, wo er mit seiner Frau auch heute lebt. Er studierte Englisch und schlug anschliesend einen breiten beruflichen Werdegang ein. Hausmeister, Lehrer in Spanien, Immobilienhändler sowie Schlagzeuger waren seine Beschäftigungen, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete.

Simon Beckett Rowohlt

Der Autor Simon Beckett (Quelle/Copyright: Rowohlt Verlag)

Als Journalist schrieb er unter anderen für die Times, den Daily Telegraph und den Observer. Bei den Recherchen erhiehlt er grossen Einblick in die Polizeiarbeit, was seinen Büchern später zugute kam. Sein erstes Buch (Fine Lines) veröffentlichte Simon Becket im Jahre 1994. Die Serie mit Dr. David Hunter startete 2006 mit dem Bestseller Die Chemie des Todes.

“Dr. Hunter. Ich bin froh, dass es Ihnen gutgeht.” Kopfschüttelnd blickte er hoch zum Turm. “Schlimm, schmerzliche Sache.”
Ich nickte.
Eine schlimme, schmerzliche Sache.

Bisher sind zehn Bücher erschienen, fünf davon in der Serie mit David Hunter. Es folgt eine kurze Auflistung der Orignalausgaben sowie den deutschen Übersetzungen.

Reihe mit Dr. David Hunter
Weitere
Simon Beckett Bücher

Die Bücher von Simon Beckett auf dessen deutschen Homepage unter simon-beckett.de.

BUCHweltreise in das Vereinigte Königreich

Mit Simon Beckett und Dr. David Hunter besuche ich auf meiner BUCHweltreise ein neues Land – das Vereinigte Königreich. Grossbritannien. Oder auch einfach England. Der Autor stammt aus Sheffield in Nordengland östlich von Liverpool und Manchester. Die Geschichte selbst handelt in den Backwaters von Essex an der Küste östlich von London.

Packt eure LESEkoffer ein und reist mit – mit der BUCHweltreise auf querdurchdenalltag.com. Die Reiseberichte aller MitBUCHreisenden findet ihr stets aktuell bei der Reiseleitung Yvonne auf umgeBUCHt. Ich wünsche euch viel LESEspass!

BUCHweltreise

Würdevoll schweigend verliess sie ihr altes Leben und machte sich auf in ein neues.

Simon Beckett: Totenfang. Wunderlich/rowohlt, 2017.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

4 Antworten

  1. umgeBUCHt sagt:

    Ich mag die David Hunter Reihe von Simon Beckett sehr. Totenfang steht bei mir schon im Bücherregal und wartet darauf gelesen zu werden. Ich bin gespannt 🙂

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