Achtung Störfaktor – Vater und Sohn im Supermarkt

Einkaufen kann so entspannend sein. Die Ruhe selbst geniessen im wunderbaren und überaus gemütlichen Ambiente eines Supermarktes. Traumhaft. Dagegen kommt kein Wellness-Urlaub an. Nur, im Spa-Bereich des Erholungshotels findet man keine Kinder. Auch sonst meist nirgends in den auf komplette Erholung ausgerichteten Anlagen.

Oh Schreck! Im Supermarkt läuft das doch tatsächlich anders. Es gibt keine Zutrittsbeschränkung für Kinder unter 16 Jahren. Und – was noch viel schlimmer ist – auch keine Einschränkung für amtierende Väter. Es ist nicht zum aushalten. Immer diese lärmenden Papis mit ihren Kindern. Nicht mal am frühen Vormittag kann die Seniorenabteilung des Dorfes in aller Ruhe einkaufen.

Ihr denkt, ich mache Witze und schreibe hier einfach nur einen lustigen Beitrag? In keinster Weise. Es handelt sich im tiefsten Kern um einen aktuellen Tatsachenbericht, wie ich ihn vor einer Woche erlebt habe.

Ich entschuldige mich für allfällige Lärmbelästigungen, welche ich zusammen mit meinem bald dreijährigen Sohn begangen habe, in keinster Weise. Ich entschuldige mich generell nicht für mein Kind. Höchstens mal für mich selbst. Nur sehe ich hier keinen Anlass dazu. Aber fangen wir doch mal von vorne an.

Zwei Einkaufswagen starten durch

Wir schreiben den ersten Freitag des aktuellen Monats. Just den siebten. Die beiden Herren des Hauses, sprich ich als Papi und unser Kleiner, sind früh unterwegs in Richtung Einkaufszentrum im benachbarten Dorf. Das Dorf, welches ein Teil der grossen Stadt ist. Aber das kann uns jetzt egal sein.

Unser Auto verbringt einen Wohlfühltag in der Garage. In aller Ruhe inmitten arbeitender Mechaniker in der Werkstatt. Wir selbst sind nun mit dem Bus unterwegs und rüsten uns kurz nach Ladenöffnungszeit mit zwei absolut aerodynamischen Einkaufswagen aus. Einen grossen für den Grossen, einen kleinen für den Kleinen. Ganz so, wie es sein soll.

Spontan geplant durch den Laden

Achtung, fertig, los – wir betreten den Laden. Ergattern uns einen Selfscanner und steuern erst einmal den Gemüse- und Obstbereich an. Einfach nur, weil diese Abteilung immer direkt nach dem Eingang folgt. Wir benötigen viel und ich kaufe strikte nach der Einkaufsliste ein. Ich glaube, ich habe doch tatsächlich für einmal nichts gekauft, was nicht auf der Liste stand. Das darf hier auch mal erwähnt werden.

Einkaufen Papi Kind

Etwas weniger geplant ist unser Sohnemann unterwegs. Er hat ja auch keine Liste und wenn er eine hätte, könnte er sie nicht gleich geplant lesen wie ich das mittlerweile beherrsche. So ist unser Lebemann mal da, mal dort. Und ja, ich gebe es ein erstes mal zu: wir reden durchaus über mehrere Gemüseregale hinweg miteinander. Ich versuche, ihn ein wenig in Bann zu halten, ohne dass ich ihn an die Leine binden muss.

Immer diese Väter

Auch steht natürlich sein Wagen nicht stets an den (nicht markierten) Parkpositionen für Kindereinkaufswagen. Auch schaffe ich es nicht jedes mal innnerhalb von Sekundenbruchteilen den Wagen korrekt zur Seite zu stellen. Aber die allermeisten Leute nehmen es mit Humor und haben vielmehr einfach Freude an einem aufgestellten, lebhaften Jungen.

Ja, das ist er. Und darauf bin ich stolz. Und ja, manchmal ist er auch für mich etwas zu lebhaft. Aber bei besagtem Einkaufsbummel war er super zufrieden und hat nie ein Geschrei gemacht. Also, ein richtiges Geschrei, meine ich hier. Aber ja, ich gebe es schon wieder zu, ruhig war es um uns beide sicherlich nicht gerade. Aber muss es das denn sein?

Wenn einem die Worte fehlen

Meine allgemeine Erfahrung bisher zeigt mir: Nein, es muss nicht immer mucksmäuschenstill sein. Zwangsjacke und Maulkorb werden auch weiterhin nicht für die Erziehung benötigt. Hoffentlich auch nicht. Aber leider sehen das nicht ganz alle so.

Ohne jegliche Vorwarnung kam urplötzlich eine mit weisser Mähne bestückte ältere Dame daher. Ausgerüstet mit überempfindlich eingestellten Hörmuscheln. Ohne zu zögern warf sie mir folgende Worte an den Kopf:

Wenn alli Müetere sone Meis wördid mache, denn wärs baud nöme zom ushaute!

Was auf gut Deutsch soviel heisst wie:

Wenn alle Mütter so einen Lärm machen würden, wäre es bald nicht mehr zum aushalten!

Ja, da war ich erst mal platt. So richtig. Ich beneide Leute, die in solchen Situationen schlagfertig antworten können. Ich kanns nicht. Mir fehlten schlichtweg die Worte.

Danke an alle Mütter

Sind wir doch erst einmal froh, dass auch in der heutigen Zeit noch mehrheitlich die Mütter mit ihren Kindern einkaufen gehen. Stellt euch mal diese Unruhe im Supermarkt vor, wenn da vermehrt Väter mit ihren Lausbuben auftauchen würden. Jesses! Aber gott sei dank haben ja die Mamis ihre Kinder noch im Griff und es herrscht angenehme Ruhe. Auch beim Einkaufen.

Ich habe mich ganz ernsthaft gefragt, was denn nun das grössere Problem war. Dass wir etwas lauter waren, als die Mehrheit der Kundschaft oder, dass ich als Papi mit meinem Sohn am Einkaufen bin. An einem Freitag für das ganze Wochenende. Stellt euch mal dieses Desaster vor.

Ich komme wieder

Eines sage ich euch gleich jetzt – und nur jetzt. Ich komme wieder. Schon morgen Freitag werden wir wieder einen Supermarkt unserer Wahl unsicher machen. Also stellt eure Hörgeräte nicht zu empfindlich ein oder bleibt doch am besten gleich zu Hause. Hauptlärmzeiten sind jeweils am Freitagvormittag zwischen neun und zwölf. Ich habe euch gewarnt. Aber natürlich freue ich mich auf einen tollen und amüsanten Einkaufsbummel – auch mit euch.

Einkaufen Papi Kind

Eines möchte ich nun doch noch gerne wissen. Habt ihr auch schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr damit um, wenn eure Kinder nunmal sehr lebhaft sind? Auf grossmehrheitlich überaus tolle, lustige und positive Art und Weise. Ich hoffe auf einige Kommentare zu diesem Thema.

4 Kommentare zu “Achtung Störfaktor – Vater und Sohn im Supermarkt

  1. Hallo,

    Das geht aber auch wirklich gar nicht, dass Du mit deinem Sohn jeden Freitag die Rentner störst ;-). Aber mal im Ernst: ich kenne das selbst auch zur Genüge, wenn man plötzlich von Menschen die man gar nicht kennt (und auch gar nicht kennen will), von der Seite angequatscht wird. Und zwar nur weil man sich mit seinem Kind nicht so verhält, wie das ihrer Meinung nach zu sein hätte.

    Schönen Tag noch,

    Tim (von „Ich konnte den Hund noch nie leiden“)

  2. Merkwürdig in unserem Supermarkt (Logo ist ein überdurchschnittlich großes E) wurde extra ein Bobbycar mit Polizeisirene für diese „Problemkinder“ bereitgestellt. Damit werden notorische Nörgler konsequent aus dem Weg komplimentiert.

    Gruß Steffen, Vater von mehreren Krawallmachern http://www.dorfworker.de/blog

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