Unterhaltsamer Alpen-Krimi mit ernstem Hintergrund

Drei Tote fordern die Mordkommission von Garmisch-Partenkirchen rund um das ungleiche Ermittlerduo Irmi Mangold und Kathi Reindl einmal mehr so richtig. Zu allem elend sind die drei Toten genauso ungleich wie die Ermittlerinnen. Ein Veranstalter von Outdoor-Events, ein campierender Holländer und eine unscheinbare Werdenfelser Oma.

Gemeinsam haben sie jedoch eines. Sie sind tot. Mausetot. Irmi und ihr Team beginnen zu ermitteln, obwohl beim ersten Toten noch einiges nach einem unglücklichen Unfall ausschaut. Das war es jedoch keinesfalls. Es war Mord. Eiskalter, geplanter Mord. Fazit der Rechtsmedizin: Vergiftet mit Eisenhut. Also, nehmt euch in Acht beim Lesen.

Wir reisen heute ins schöne Werdenfelser Land rund um Garmisch-Partenkirchen. Der geliebten Heimat von Irmi Mangold. Seineszeichen leitende Ermittlerin der örtlichen Mordkommission. Wenn sie und ihr Team einen Fall haben, dann sind andere bereits tot. Auf höchst unnatürliche Art und Weise zu Tode gekommen.

Nicola Förg Scharfe Hunde
Scharfe Hunde von Nicola Förg. 2017 erschienen bei Pendo (Piper).

Tot – Julius Danner auf seinem Bulldog

Unser erstes Opfer, Julius Danner, war zu lebzeiten Anbieter von Outdoor-Aktivitäten und fährt am alljährlichen Umzug des Bulldogtreffens mit. Irmi ist zusammen mit ihrem Freund Jens ebenfalls vor Ort und applaudiert natürlich besonders ihrem Bruder Bernhard auf seinem Kramer KL 180. Und beim Bührer aus der Schweiz. Eh klar. Für einmal geniessen Irmi und Jens ein paar unbeschwerte Stunden. Ihre Beziehung ist nicht gerade einfach, ist doch Jens verheiratet und hat eigene Kinder. Trotzdem hält die leicht komplizierte Beziehung schon erstaunlich lange.

Die Frau Hauptkommissar beherrscht eben die Kunst der Ausblendung. Immer nur den aktuellen Fall im Blick.“ Kathi knuffte Irmi in den Oberarm. „Und wird dieser Dingsbums ein Fall?“

Mit der Nummer 123 kommt nun eben der Julius Danner mit seinem Hatz TL 24 von 1956 daher getuckert. Er scheint jedoch nicht mehr ganz so aufmerksam auf seinem Bulldog und kommt prompt von der Strecke ab. Ab durch den Garten und rein in den Zaun. Endstation. Für den Bulldog und auch für den Danner. Tot. Trotz sofortiger Erster Hilfe durch Irmi und einen Sanitäter.

Verdächtig – Barbara Mann vom Tourismusverband

Erlitt Julius Danner auf seinem Bulldog einen Herzinfarkt? Das wäre dann wohl kein Fall für die Mordkommission. Irmi wittert jedoch eine Fährte, ohne sagen zu können, weshalb. Schnell kommt sie bei ihren Nachforschungen auf den regionalen Tourismusverband und deren Chefin Barbara Mann.

Kathi haute auf den Tresen, dass ein Aufsteller mit Flyern eines Kutschenunternehmers hochhüpfte. „So, du Nebelkrähe, jetzt mal Klartext: Wo ist sie hin? Was hat sie für eine Handynummer? Wo ist ihr Terminplaner? Du behinderst hier eine Mordermittlung, schnallst du das? Arsch hoch, Alte!“

Vor nicht langer Zeit wurde im Werdenfelser Land die CoolCard eingeführt. Eine Touristenkarte, mit welcher die Besucher viele Attraktionen kostenlos nutzen können. Leider jedoch auf Kosten der zahlenden Betriebe und Anbieter von Tourismusattraktionen. So die Sicht von Julius Danner. Er hat die Karte aufs gröbste bekämpft. Musste er deshalb von den Lebenden weichen?

Tot – Der Holländer in seinem Wohnwagen

Die Anzeichen für ein Tötungsdelikt verdichten sich, als auf einem Campingplatz auch noch ein toter Holländer aufgefunden wird. Nur, was hat dieser mit Julius Danner am Hut? Nichts. Überhaupt rein gar nichts. Scheint es zumindest.

„Ein Toter in einem Wohnwagen, versteh ich das richtig?“, fragte Irmi.
„Ja, der flackt in einem Wohnwagen. Und des is …“ Sailer schien ein Lachen zu unterdrücken. Des is a Holländer. Was aa sonst.“

Mit der CoolCard des Tourmisverbandes hat der Holländer anscheinend noch viel weniger zu tun. Sollte man meinen. Aber weshalb wurde dann scheinbar die Frau Mann auf dem Camping gesichtet? Beim Niederländischen Wohnwagen? Aber sind die redseligen Leute auf dem Camping auch wirklich glaubwürdig?

Tot – Die Oma Gudrun Eisenschmied im Grab

In den selben Tagen hat auch die rüstige Frau Gudrun Eisenschmied das Zeitliche gesegnet. Der einzige, der an ihrem natürlichen Tod zweifelt, ist ihr Enkel. Nur leider etwas spät, denn die Oma wurde bereits beigesetzt. Dank seiner Hartnäckigkeit, kann er Irmi und die Obrigkeit überzeugen, die Oma noch einmal hervorzuholen.

„Frau Mangold, Sie müssten herkommen. Wann können Sie hier sein?“
Irmi stutzte. Der Rechtsmediziner klang irgendwie merkwürdig. „Können Sie mir nicht am Telefon einen kurzen Abriss geben?“
„Das möchte ich ungern, die Sache wird eventuell etwas … nun ja … heikel. Delikat.“

Und siehe da, sein Einsatz hat sich gelohnt. Auch für die Ermittler der Mordkommission. Auch wenn die drei Opfer kaum etwas gemeinsam haben, so gibt es jetzt eine glasklare Verbindung. Alle drei wurden mit Eisenhut vergiftet. Der tödlichen Pflanze, welche auch im Garten der Oma Eisenschmied wächst.

Verdächtig – Dr. Gabor Farkas-Mann und seine Schwester

Im Garten der toten Oma findet die Polizeit jedoch nicht nur Eisenhut. Einen überaus grausigen Fund machen sie unter der Erde. Eine Vielzahl von viel zu jungen Welpen wurden dort begraben. Der Fund schlägt in der Folge hohe Wellen. Einige der Welpen litten an Tollwut. Eine in Deutschland eigentlich ausgerottet gedachte Krankheit. Sind noch weitere Tiere davon betroffen? Gar noch lebende Tiere?

Irmi gab Gas und setzte ihr Blaulicht ein. Das tat sie selten, weil sie das so hollywoodesk fand und weil das mit einem Cabrio so eine Sache war. Doch ihr jetziges Cabrio hatte ein Hardtop. Mit Martinshorn fuhren sie weiter.

Irmi und ihr Team kommen einem grausamen internationalen Handel von viel zu jungen Hundewelpen auf die Spur. Mit falschen Papieren werden sie vom Ausland nach Deutschland geschmuggelt und viel zu jung verkauft. Ohne genügende Impfung und ohne tiergerechte Haltung. Die Ermittlungen führen Irmi bis nach Ungarn, wo ein gewisser Gabor Farkas-Mann und dessen Schwester eine Tierpraxis betreiben. Es ist kein Zufall, dass Farkas-Mann der Ehemann der Tourismus-Chefin Barbara Mann ist.

Gelöst – Die Mörder sitzen im Knast, die Hundewelpen leiden weiter

Sie werden den Fall schon lösen. Soviel darf gesagt sein. Auch wenn bei den tragischen Hintergründen die Überführung der Täter nur ein kleiner Trost ist. Das Wissen, dass der illegale Handel mit Hundewelpen kaum aufhören wird, überragt leider. Irgend jemand wird in die Lücke stossen. Zuviel Geld kann mit dem Leid der Tiere verdient werden. Tragisch, aber wahr.

Irmi fuhr nach Hause, wo sie allein mit dem wie immer fast leeren Kühlschrank war. Wenigstens enthielt er noch einen Kräuterquark und zwei Karotten. Knäckebrot gab es in der Speis, ein Bier auch.

Mit diesem Thema hat Nicola Förg ein sehr reales Problem des illegalen Tierhandels aufgegriffen. Für weitere Informationen dazu, gebe ich euch hier gerne zwei Links bekannt, welche Nicola Förg in der Danksagung des Buches erwähnt hat. Es sind dies www.wuehltischwelpen.de und www.stopptwelpendealer.org. In erster Linie achten wir doch alle selbst darauf, dass wir es besser machen und dem illegalten Handel schon gar keinen Markt bieten.

Erfolgreich – Die Mordkommission rund um Irmi Mangold

Die Hauptaufgabe der Mordkommission von Garmisch-Partenkirchen ist es, Mordfälle zu lösen. Soviel ist klar. Dazu braucht es Tote und deshalb sterben in den Krimis von Nicola Förg immer mal wieder Leute. Einheimische und Zugereiste. Das Team von Irmi Mangold macht jedoch noch viel mehr. Es unterhält uns. Sehr gut sogar.

In Irmis Team eckt besonders Kathi Reindl immer mal wieder an. Sie ist häufig mit Irmi zusammen unterwegs und die beiden sind sich in kaum einem Punkt ähnlich. Im Büro findet Andrea, die gute Seele des Teams, sämtliche Informationen aus dem Computer in Windeseile. Weiter ermitteln die Kollegen Sailer und Sepp und für die Spurensicherung an den Tatorten ist der Kollege Hase zuständig.

Sie sah ihre Leute an, jene Menschen, mit denen sie die meiste Zeit in ihrem Leben verbrachte. Diese Menschen hatte sie sich nicht erwählt, sie waren alle so zusammengewürfelt worden. Kathi, das Reibeisen in Elfengestalt. Andrea, die ständig verunsicherte Begabte. Sailer, der stets die Nägel auf den Kopf traf. Sepp, der erdige Gutherzige. Ja, und der Hase, die Obermimose. Jeder für sich genommen waren sie Unikate und manchmal unerträglich – aber Irmi würde sie alle sehr vermissen.

Irmi lebt mit ihrem Bruder Bernhard auf einem Bauernhof und führt, wie bereits erwähnt, eine immer wieder interessante Beziehung mit dem verheirateten Familienvater Jens. Auch ohne sehr viel Kontakt spielt Irmis Nachbarin Lissi immer wieder eine Rolle in den Büchern von Nicola Förg.

Erfolgreich – Die Autorin Nicola Förg mit ihren Werdenfelser Krimis

Ich glaube, das darf man durchaus so sagen. Nicola Förg weiss mit ihren Kriminalromanen zu begeistern. Nebst der Reihe mit Irmi Mangold gibt es noch jene mit dem Kommissar Gerhard Weinzirl. Nur leider liess Weinzirl seit geraumer Zeit (2013) nichts mehr von sich hören. Ich hoffe, er meldet sich mal wieder.

Nicola Förg Weinzirl Mangold

Nicola Förg selbst ist im Allgäu aufgewachsen und lebt auch heute noch in dieser schönen Gegend. Nebst Krimis schreibt sie als Reisejournalistin für diverse deutsche Zeitungen und Magazine. Sie hat schon zahlreiche Reiseführer verfasst. Nicola Förg ist engagierte Tierschützerin, was in ihrem neusten Buch Scharfe Hunde auch thematisiert wird. Im Vordergrund steht jedoch nachwievor der Krimi und das Lesevergnügen.

Lesenswert – Die Krimis mit Irmi Mangold und Gerhard Weinzirl

Wie bereits erwähnt, gibt es von Nicola Förg in ihren zwei Allgäuer Krimireihen bereits sehr viel zu lesen. Zwischen 2002 und 2013 erschienen die bisherigen Weinzirl-Geschichten, 2009 startete das Abenteuer mit Irmi Mangold. Nachfolgend sämtliche Weinzirl- und Mangold-Bücher in der Übersicht. Viel Spass beim Lesen.

Gerhard Weinzirl

Alle Weinzirl-Krimis von Nicola Förg gibt es auf Amazon und deinem Lieblingsbuchhändler.

Irmi Mangold

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Kathi lachte. Für sie war der Fall erledigt.


Nicola Förg: Scharfe Hunde. Pendo (Piper), 2017.

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