Zu nah am Tod beim erschütternden Spiel mit den Schmerzen

Die Wissenschaftlerin Eleanor Costello wird tot in ihrem Haus aufgefunden. Hat sie sich selbst erhängt oder wurde sie Opfer eines brutalen Mörders? Oder starb sie gar beim makabren Spiel mit dem Tod? Bald darauf wird eine junge Frau ermordet und einige Zeit später findet man den Hauptverdächtigen, den Ehemann von Eleanor Costello, tot im Fluss. Welches tödliche Spiel wird hier gespielt und wer steckt dahinter?

Detective Chief Superintendent Frankie Sheehan ermittelt, kommt aber nicht vom Fleck. Zugleich wird sie immer wieder mit ihrem letzten Fall konfrontiert, welcher sie stark psychisch schädigte und dessen Gerichtsverhandlung nun ansteht. Doch ist dieser Fall wirklich gelöst und abgeschlossen oder hängt dieser mit den aktuellen Ermittlungen zusammen? Viele Tote und keine Lösung, bis Frankie Sheehan zufällig dem wahren Mörder über den Weg läuft.

Mehrere Fälle und ein Mörder?

Detective Frankie Sheehan vom Dubliner Morddezernat kehrt nach einer kurzen Auszeit wieder in den Dienst zurück und wird sogleich mit einer Toten beschäftigt. Eleanor Costello, eine angesehene Wissenschaftlerin der Dubliner Universität, wird erhängt aufgefunden. Man geht von Selbstmord aus, doch Frankie Sheehand glaubt nicht daran. Kurz darauf wird in ihrem Heimatort Clontarf die Tochter ihrer einstigen Nachbarn, Amy Keegan, tot aufgefunden. Ermordet und im Allerheiligen-Feuer des Ortes eingepfercht. War sie die Geliebte des Hauptverdächtigen Peter Costello, dem verschwundenen Ehemann von Eleanor Costello? Oder besteht überhaupt gar kein Zusammenhang?

Die Suche nach Peter Costello bleibt erfolglos, bis dieser im Fluss Liffey gefunden wird, da diese gerade wenig Wasser führt. Hat er sich selbst von der Brücke in den Tod gestürzt nach zwei begangenen Morden? Nein, denn Peter Costello war zum Todeszeitpunkt seiner Frau bereits tot. War es nun sogar umgekehrt? Hat seine Frau ihn ermordet und sich in der Folge doch selbst erhängt? Wieder nein, zuviel spricht dagegen. Doch wer steckt dahinter?

Olivia Kiernan Zu nah`
Die Ermittlungen stocken und stehen kurz vor der Einstellung. Aus Kostengründen soll der wahre Täter von bis zu drei Morden ungesühnt bleiben. Frankie Sheehan will das nicht wahrhaben. Als auch noch die Kaffeemitarbeiterin der Universität sowie ein weiterer dringend Tatverdächtiger Dozent verschwinden, spitzt sich die Lage zu. Zusätzlich muss Frankie Sheehan vor Gericht aussagen zu den Geschehnissen ihres letzten Falles. Die Verurteilung des Angeklagten hängt stark von ihrer Aussage ab. Tatsache ist, dass sie vom mutmasslichen Mörder niedergestochen und schwer verletzt wurde, aber hat dieser auch Tracy Ward ermordet, so wie alle annehmen?

Der Drang, diesen Fall aufzuklären, ist wie ein hartnäckiges Jucken irgendwo unter meiner Haut, wo ich nicht drankomme.

Der Fall hat mehr mit den aktuellen Morden zu tun, als Frankie Sheehan lieb ist. Mehr zufällig als bewusst, begegnet sie dem wahren Mörder, was ihr jedoch zu spät bewusst wird. Einmal mehr befindet sie sich in höchster Lebensgefahr. Können ihre Kollegen ihr auch jetzt noch rechtzeitig zu Hilfe eilen? Ist dieser Thriller der Auftakt einer Reihe oder kommt die Hauptperson bereits in ihrer ersten Erzählung ums Leben?

Schwieriger Start mit spannendem Ende

Zu Beginn des Buches, hatte ich so meine Mühe, in die Geschichte reinzukommen. Zu viele Charaktere galt es kennenzulernen und zu ungewiss war mir die Vorgeschichte der Hauptperson Frankie Sheehan. Sie hatte was schwieriges zu verarbeiten und kommt nun deshalb aus einer beruflichen Auszeit zurück. Doch was tatsächlich geschehen ist, erfährt man erst im Laufe der Lektüre. Was dann wiederum gut ist für die Spannung, hat der damalige Fall doch mehr mit dem aktuellen zu tun, als allen Beteiligten lieb ist. Ungewohnt ist zudem die Ich-Erzählweise aus Sicht von Detective Frankie Sheehan. Aber klar, man gewöhnt sich daran und freundet sich umso schneller mit ihr an.

Lorcan Murphy weint. Dicke, rotzige Tränen, die von seiner Nase auf den Tisch tropfen. Er wischt sie hastig mit einem Ärmel weg.

“Entschuldigung, Detective”, stammelt er. “Diese ganze Scheiße macht mich irgendwie völlig fertig.”

Der Thriller steigert sich enorm und wird immer besser. Die Spannung kommt schnell und wird mit der Zeit immer grösser. Ich hatte im Laufe des Lesens einige Vermutungen, wer der Täter sein könnte. Auch der wahre Mörder war kurzzeitig mein perönlicher Verdächtiger. Aber eben, nur ganz kurz und am Ende eigentlich nicht mehr. So nimmt die Geschichte einige unerwartete Wendungen. Die Geldbedingte Einstellung der Ermittlungen trotz nachwievor vorhandenen Lösungsansätzen störte mich dafür ganz stark. Nur leider ist dieses Szenario wohl näher an der Realität als mir lieb ist. Ich weiss es nicht, hoffe aber, dass dem nicht so ist.

Trotzdem, das Buch kann ich allen Liebhabern guter Thriller wärmstens empfehlen. Es ist super spannend und nach kurzer Angewöhnungszeit sehr gut zu lesen. Das Motiv der Taten ist dafür umso brutaler und absolut erschütternd. Es stehen mir noch heute sämtliche Haare zu Berge, wenn ich daran denke, dass es Menschen mit solch makabren Vorlieben nicht nur im Buch von Olivia Kiernan gibt. Zu nah am Tod, zu fern jeglicher Menschlichkeit.

Debütroman von Olivia Kiernan

Die Autorin Olivia Kiernan wuchs mit ihren fünf Geschwistern auf einer Farm in der Nähe von Dublin, Irland, auf und absolvierte eine Ausbildung zur Chiropraktikerin. Doch bereits damals schrieb sie Texte und schloss nebenbei den Master in Kreativem Schreiben an der Universität Sussex in England ab. Der im April 2018 auf Deutsch erschienene Thriller Zu nah ist ihr Debütroman und lässt einiges für die Zukunft hoffen. Ich persönlich freue mich auf ein Wiedersehen mit Detective Frankie Sheehan. Der zweite Roman ist zumindst bereits in Arbeit. Heute lebt Olivia Kiernan in Oxfordshire, England. Für ihre Geschichten lässt sie sich aber von ihrer irischen Heimat inspirieren.

Olivia Kiernan

Olivia Kiernan (Quelle: Olivia Kiernan)

Olivia Kiernan: Zu nah. Harper Collins, 2018.

BUCHweltreise nach Irland

Vom Flughafen Zürich startend ist man in etwas mehr als zwei Stunden in Dublin, der Hauptstadt des Inselstaates Irland. Für die literarische Reise nach Irland blieb ich jedoch im heimischen Wintergarten und las das Buch, während die Fleger – unter anderem aus Dublin kommend – den Flughafen Zürich über mich hinweg anflogen. Wohnen wir doch in er südlichen Anflugschneise des grössten Flughafens der Schweiz. Während sich andere ab dem Lärm stören, bin ich nachwievor fasziniert, wenn Flugzeuge wie der Airbus A380 mit ausgefahrenen Fahrwerken daher geflogen kommen.

Zu nah am Flughafen? Nein, überhaupt nicht. Fasziniert war ich dafür von Zu nah von Olivia Kiernan. Der Lektüre meiner mittlerweile 20. Etappe der BUCHweltreise. Sämtliche weiteren Zwischenstops rund um den Erdball finden sich auf meiner eigenen BUCHweltreise-Seite oder bei umgeBUCHt. Nun fehlt mir nur noch ein realer Reisetrip nach Irland. Eine Destination, welche schon lange auf meiner Wunschliste steht.

BUCHweltreise

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