Jassen – Stöck, Wyss, Stich und alles gezählt

Jassen. Des Schweizers liebste Kartenspiel. In der Beiz auf dem Lande muss man sich nicht wundern, wenn vier Leute an einem Tisch den ganzen Abend lang Jassen. Seit dem Rauchverbot wenigstens nicht mehr eingehüllt in eine Rauchwolke. Aber was macht das Jassen so dermassen beliebt?

Es gibt viele verschiedene Spielarten. Auch die Karten sind je nach Region unterschiedlich. Kennt man jedoch die Grundsätze und das Kartenset, so liegt einem Jass nicht mehr viel im Wege. Meine Favoriten sind der Coiffeur sowie der Schieber – nebst dem ultimativen Tschau Sepp natürlich.

Also dann. Setzt euch hin. Ich  mische und gebe aus. Zu einem kleinen Jass in munterer Leserunde auf meinem Blog.

Früher, als die Karten flogen

Zugegeben. Mein letzter Jass ist schon eine ganze Weile her. Meine Erinnerungen an unsere Jassrunden in der heimischen Stube aber noch sehr präsent. Angefangen hat es, wie wohl bei allen Jassfreunden, mit dem Tschau Sepp. Das ist der Jass, den auch meine Mutter kann. Mein Vater hingegen war ein passionierter Jasser. Egal, ob in der Beiz mit seinen Jasskollegen oder zu Hause mit uns Kindern. Die Paarungen waren meist klar. Papi und Schwester gegen mich und Bruder. Die Gewinner waren dann jeweils weniger klar. Unser Spiel? Der Coiffeur.

Jasskarten
Jasskarten, wie ich sie kenne und liebe. (Quelle: Berghaus Diavolezza)

Die Jasskarten waren auch sonst immer mit dabei. Standardausrüstung in jedem Rucksack. Ob unterwegs mit dem Turnverein, mit Freunden bei einem Bier oder im Militär. Jasskarten gehörten einfach mit. Häufig gespielt wurde dabei der Schieber. Unter Freunden war bei uns aber auch der Schällejass sehr beliebt. Nicht zu vergessen Hose abe. Wobei man dieses Spiel wohl nicht mehr als Jassen bezeichnen kann.

Wer hats erfunden?

Nein, für einmal nicht die Schweizer. Auch wenn der Jass bei uns als Nationalspiel gilt. Wie die meisten Kartenspiele kommt auch der Jass ursprünglich aus dem Orient. Um das 14. Jahrhundert kam das Spiel nach Europa, wo es von Schweizer Söldnern aus der Niederlande in die Heimat gebracht wurde. So stammt beispielsweise der Begriff „Näll“ aus der niederländischen Sprache.

Die ältesten bekannten deutschschweizer Karten trugen die Farben Schellen, Schilten, Hüte und Federn. Erst später wechselte man von Hüte und Federn zu Eicheln und Rosen. Die ursprünglichen Karten liegen heute im Historischen Museum Basel. Wohl nicht ganz ohne Grund. Da der Schilten-Under einen Baselstab auf der Brust trägt, werden sie einem Basler Künstler zugeschrieben.

So richtig populär wurde das Jassen im 19. Jahrhundert. Es entstanden eine Vielzahl verschiedener Spielvarianten, wobei nicht alle sehr viel mit dem eigentlichen Jassen zu tun haben. So wird Jassen auch vielmehr als ein Überbegriff gesehen. Was schlussendlich gespielt wird, kann sehr unterschiedlich sein.

4 Farben, 9 Werte, 36 Karten

Ein Kartenset besteht aus total 36 Karten mit vier unterschiedlichen Farben. Abhängig von der Region wird jedoch mit verschiedenen Sets gespielt. In der Schweiz verbreitet sind das deutschschweizer sowie das frönzösische Blatt. Dies ist in jedem Wiederholungskurs im Militär einer der allerersten Punkte, die es zu klären gilt. Mit welchen Karten wird in den kommenden drei Wochen gespielt? Aber glaubt mir, wir haben uns noch immer geeinigt.

Jasskarten Regionen Schweiz
Wo wird in der Regel mit welchen Karten gespielt? (Quelle: carta-media.ch)

Es gibt noch weitere Varianten, so zum Beispiel das österreichische Blatt. Nur bin ich selbst mit den französichen Karten bereits heillos überfordert. Es schalten einfach nicht die gleichen Automatismen beim Jassen. Schauen wir uns die Karten in einer kleinen Übersicht einfach mal an.

Deutschschweizer Blatt

Das Deutschschweizer Blatt – meine bevorzugte Wahl – verfügt über die neun Werte 6, 7, 8, 9, Banner, Under, Ober, König und As sowie die vier Farben Schellen, Eicheln, Schilten und Rosen. Die effektiven Werte sind von der Spielart des Jasses und der jeweiligen Funktion der Farbe abhängig. So wird bei einem Trumpf der Under der Trumpffarbe zur höchsten Karte überhaupt, dem „Trumpf Buur“ (Bauer). Die 9 wird entsprechend zum „Näll“, also dem zweithöchsten Wert des Trumpfes.

Jasskarten Schellen DeutschschweizJasskarten Eicheln DeutschschweizJasskarten Schilten DeutschschweizJasskarten Rosen Deutschschweiz
SchellenEichelnSchiltenRosen
Bild-Quelle: karten-haus.ch
Französisches Blatt

Wechseln wir kurz zu den französischen Karten. Mir selbst sind sie eher fremd. Allgemein dürften sie jedoch auch den Nichtjassern durchaus bekannt vorkommen. So sind sie weitgehend mit den Poker-Karten identisch. Die Farben nennen sich Herz, Pik, Karo und Kreuz. Wir sagen Schaufel zu Pik und Ecke zu Karo. Das sind die Details, die es vor einer Jassrunde zu klären gilt, wenn die Jasser aus verschiedenen Regionen kommen. Die Werte sind wie bei den Deutschschweizer Karten von 6 bis 9, der Banner ist die 10 und die Bildkarten analog Bube, Dame, König und As.

Jasskarten Herz FranzösischJasskarten Pik FranzösischJasskarten Karo FranzösischJasskarten Kreuz Französisch
HerzPik (Schaufel)Karo (Ecke)Kreuz
Im Originalen sind Karo rot und Kreuz schwarz. Blau und Grün dient der besseren Unterscheidbarkeit im Fernsehen (Samschtig-Jass).
Bild-Quelle: karten-haus.ch

Gespielt wird – aber was?

So, nun kennen wir die Karten und entscheiden uns flott für das deutschschweizer Blatt. Was noch fehlt, ist ein feines, durchsichtiges Kaffee mit Schnaps. So wie im Entlebuch üblich. Ein Traum. Den Stumpen lassen wir weg. Nicht wegen dem Rauchverbot, sondern weil es stinkt und einfach nicht schmeckt.

En Kafi mit Schnaps, en Jass ond en Stompe ghört dezue.

Differenzler

Ja, so hat das Trio Eugster vor langer Zeit schon gesungen. Also fangen wir gleich beim Differenzler an. Ich mische und gebe aus. Die vier unabhängig voneinander Spielenden nehmen ihre neun Karten in die Hände und überlegen sich, wieviele Punkte sie mit ihren Karten machen werden. Der Trumpf wurde übrigens vor dem Ausgeben mittels Abheben bestummen. Sodala, nun gibt es ein wenig Musik zum Überlegen.

Fertig überlegt? Jetzt sagt jeder seine angepeilte Punktzahl an. Dann wird gejasst. Im simplen Trumpfsystem. Eine Farbe ist Trumpf und kann die anderen Karten ausstechen, unabhängig der Höhe des Kartenwertes. Pro Ausgaberunde muss einer der vier Spieler die vier Karten auf dem Tisch zu sich nehmen und verdeckt ablegen. Am Ende werden diese Karten gemäss dem geltenden Zählsystem gezählt und – oho – die Differenz zur vorab geschätzten Zahl berechnet. Wer am Ende des Abends den tiefsten Wert der Summe an Differenzen hat, ist der grosse Gewinner der Jassrunde.

Die Regeln im Detail

Ich umschreibe in diesem Beitrag das Jassen. Einfach weil ich es gerne mache. Jassen. Und auch Schreiben. Die einzelnen Regeln im Detail zu erklären, würde jedoch den Rahmen bei weitem sprengen. Ich zeige euch einige Möglichkeiten, welche es gibt mit den simplen 36 Karten. Für weitere Details folgen am Ende des Beitrages noch diverse Links – auf Regelseiten, Online-Jass-Spiele und weiteres rund ums Jassen.

Tschau Sepp

Der wohl simpelste Jass, seit es Jassen gibt. Das Pendant dazu in Deutschland ist Mau-Mau. Dieser Jass ist vorallem bei Kindern sehr beliebt aufgrund seiner Einfachheit und ist somit optimal geeignet, die Karten kennenzulernen.

Schällejass

Der Schällejass kommt von der Schwierigkeit her sehr bald nach dem Tschau Sepp. Hier wird ein einfaches Obeabe gespielt. Das heisst, das As sticht alle anderen aus und von da an geht es in der Wertigkeit her abwärts. Immer schön abhängig der zuerst ausgegebenen Farbe. Ziel vom Schällejass ist es, möglichst wenige Schellen zu erhalten – oder dann gleich alle.

Schieber

Nun wird es langsam interessant. Beim Schieber spielt man mit einem Partner. Oder einer Partnerin. Die Regeln sind aber für beide gleich. In der Jassrunde sitzen sich also zwei Zweierteams gegenüber. Jeder spielt für sich, aber doch müssen die Zusammengehörenden aufeinander achten. Jeweils der nächste nach dem Kartenausgeber, sagt an, was in der Runde Trumpf ist. Oder je nach dem auch Undeufe, Obeabe oder was man sonst noch abgemacht hat, zu spielen.

Hat derjenige keine schlauen Karten, um etwas anzusagen, so darf er einmal zu seinem Partner schieben. Daher der Name. Dieser muss dann etwas ansagen. Egal, was für Karten er hat. Ausgeben muss dann – zumindest bei Trumpf – der Erstere. Klingt jetzt vielleicht ein wenig kompliziert, ist in der Ausführung aber ganz einfach.

Coiffeur

Es wid nicht einfacher, dafür umso spannender. Wir sind bei meinem Lieblingsjass angelangt. Dem Coiffeur. Hier werden keine Haare geschnitten, sondern um Punkte gekämpft. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Schieber. Der Runde nach muss einer das Spiel ansagen. Weiss dieser aufgrund zu schlechter Karten nichts anzusagen, so darf er schieben. Jetzt geht es aber nicht direkt zum Partner, sondern der Runde nach, also auch über die Gegner. Diese dürfen, wenn sie starke Karten in der Hand halten, ebenfalls ansagen. Sagt jedoch niemand etwas an, so muss derjenige, der zu Beginn geschoben hat, zwingend etwas ansagen. Er sitzt im Loch, sagt man so schön.

Jassen Coiffeur TafelNun darf man beim Coiffeur jedoch nicht völlig frei wählen. Oder besser gesagt, nur zu Beginn. Jedes Zweierteam muss zehnmal ansagen. Auf einer Tafel sind die zehn Möglichkeiten aufgeschrieben und werden mit den Punkten gefüllt. Die erzielten Punkte der Runde werden zudem mit der Punktezahl auf der Tafel multipliziert – also mal 1 bis mal 10. Mit einem sehr guten Kart versucht man demnach möglichst etwas Hochwertiges anzusagen, mit einem schlechten Kart etwas tieferes. Typischerweise ist Eichlen Trumpf stets an erster Stelle, wird also mit 1 multipliziert. Es gibt nichts zu gewinnen, man kann aber auch nichts verlieren. Macht man also bei einem einfachen Eichlen Trumpf 80 Punkte, so zählen diese 80 Punkte. Bei einem 10-fachen Spiel kommen diese 80 Punkte jedoch mit 800 Punkten in die Wertung.

Spannend wird es, wenn die Tafel langsam voll wird und nicht mehr allzu viele Möglichkeiten offen stehen. Da kann es durchaus vorkommen, dass man Karten für einen saustarken Obeabe in der Hand hält, aber nur noch Undeufe offen steht. Naja, so kann es laufen.

Trumpf, Slalom, Guschti und Co.

Anhand einer Coiffeur-Tafel, wie wir sie jeweils gespielt haben, erkläre ich euch noch kurz die unterschiedlichen Spielweisen. Es gibt noch weitere Arten, diese lassen wir an dieser Stelle jedoch aussen vor.

1Eichlen TrumpfSimples Trumpfspiel.
Spezielle Karten sind der „Trumpf Buur“ und das „Näll“ (Trumpf 9).
Nebst dem Trumpf gilt Obeabe.
2Rosen Trumpf
3Schilten Trumpf
4Schellen Trumpf
5UndeufeUmgekehrte Wertigkeit.
Die 6 ist die höchste Karte des Spiels, das As die niedrigste.
6ObeabeDas As ist die höchste Karte des Spiels.
7MarieZuerst wird 5x Undeufe gespielt, danach 4x Obeabe.
8GuschtiZuerst wird 5x Obeabe gespielt, danach 4x Undeufe.
9SlalomAbwechslungsweise Undeufe und Obeabe. Der Ansager wählt, wie gestartet wird.
10Freie Wahl Freie Wahl der Möglichkeiten 1 bis 9.

Je nach Spielart ändert sich auch die Zählweise. So zählen bei Trumpf die Zahlenkarten 6 bis 9 keine Punkte (Ausnahme das Trumpf 9 („Näll“). Bei den anderen Spielarten wird jeweils die 8 gezählt. Bei Undeufe sowie einem mit Undeufe gestarteten Slalom zählt zudem die 6 anstatt des As.

Ungebrochen populär

Jassen ist und bleibt beliebt. Bei alt und jung. Mit und ohne Stumpen. Mit und ohne Kafi Schnaps. Es ist ein überaus beliebtes Kartenspiel mit Freunden. Die Karten passen in jeden Sack und mehr braucht es nicht. Auch findet man (fast) immer und überall Leute, die jassen können. Jasssets gibt es in allen Grössen und Varianten. Praktisch finde ich mein kleines Set inklusive Coiffeur-Tafel. Super Sache und passt überall hin.

Findet man keine Jassfreunde, so darf auch mobil und online gejasst werden. So können die unterschiedlichsten Jassvarianten geübt werden in Apps oder Online-Portalen. Wahlweise gegen den Computer oder weitere Mitspieler.

An der ungebrochenen Popularität ist auch das Schweizer Fernsehen (SRF) nicht unschuldig. Seit über 40 Jahren wird im samstäglichen SRF-Vorabendprogramm der Samschtig-Jass ausgestrahlt. Unvergessener Höhepunkt jeder Samschtig-Jass-Sendung meiner Kindheit war der Scharfe Egge mit dem Cabaret Rotstift. Jede Woche hatten die drei Jasser eine heisse Diskussion über eine Jassregel. Jürg Randegger, selbst ein Teil vom Cabaret Rotstift, moderierte die nach wie vor beliebte Sendung von 1975 bis 1999. Abgelöst wurde er durch Monika Fasnacht, welche auch heute noch die Jassrunde leitet.

Samschtig Jass SRF

In den Sommermonaten geht das SRF mit dem Donschtig-Jass auf Tournee und gastiert auf den grossen Plätzen der Dörfer und Städte. Zwei Orte duellieren sich und der Gewinner darf als nächsten Gastgeber amten. Jassen wird so zum grossen Volksfest im Schweizer Sommer. Moderiert wird die Jass-Show seit 2011 von Roman Kilchsperger

Weitere Informationen

Abschliessend noch dies: Jassen macht Spass. Es ist ein Spiel, wie jedes andere auch. Es ist nicht in erster Linie ein Kartenspiel, wo es um Geld geht. Ich selbst habe nie um Geld gejasst, sondern einfach aus Freude am Jass.

Für weitere Informationen rund um das Thema oder Vorschläge für Online-Jass-Spiele folgen nun noch einige Links. Viel Spass!

Allgemeine Informationen
Regeln
  • Viele Regeln gut Umschrieben auf einer schon fast zu einfachen Homepage beim Jassonkel
  • Jassregeln auf einer wiederum sehr einfachen Homepage bei jassregeln.ch
  • Regeln und weitere Jass-Infos auf jassinfo.ch
Spielen

2 Kommentare zu “Jassen – Stöck, Wyss, Stich und alles gezählt

  1. guten Tag
    Ich Jasse Stöck Wyss Stich Version 10 seit langem.
    Nun frage ich mich kann der diese Version programiert hat überhaupt jassen??
    Beim Schieber treten so viele Fehler auf , dass es nicht mehr schön ist zu jassen.
    mfg
    Kurt

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