Aufwachsen inmitten weltweiter Vernetzung – Gefahren und Chancen des Internets

Was für meine Generation erst im Teenageralter wirklich aktuell wurde, ist für unsere Kinder von Beginn an eine Selbstverständlichkeit. Die weltweite und dauerhafte Vernetzung elektronischer Geräte und die ständige Verfügbarkeit von Informationen. Und ja, das freie suchen und schauen der gerade gewünschten Fernsehsendung.

Anstelle des früher beliebten Zappen durch die TV-Kanäle, wird heute auf dem iPad durch YouTube gewischt. Dass unser dreijähriger Sohn die Touchtechnologie besser beherrscht, als gewisse Grosseltern, ist da nur logisch.

Aber wie sieht der geeignete und kindergerechte Umgang mit dem freien Zugang zum weltweiten Netz aus? Wie stark sollen wir Eltern die Nutzung einschränken? Wie weit soll der Umgang gefördert werden? Begeben wir uns gemeinsam auf die Suche nach sinnvollen Antworten.

Im Rahmen der Swiss Blog Family, dem Treffen der Schweizer Elternblogger, wurde in Zusammenarbeit mit AVM, dem Vater der FRITZ!-Familie, die Blogparade #Internet4Kids ins Leben gerufen. Weitere Gedanken von bloggenden Müttern und Vätern findet ihr im Beitrag der Swiss Blog Family Sicherheit im WWW.

Es liegt nun nahe, einfach mal Google aufzurufen bei der Suche nach den Antworten zu den obigen Fragen. Die wohl farbenprächtigste und (ausserhalb Chinas) am weitesten verbreitete Suchmaschine des Internets. Gross geworden dank einem genialen Suchalgorithmus, noch heute anhaltender Schlichtheit der Hauptseite sowie total cleverem Werbemanagement. Auch Leute mit guten Ideen wollen ja schlussendlich Geld verdienen.

Geboren im Internetzeitalter

Aber lassen wir das. Für unsere Kinder wird Google, Facebook sowie das gesamte Internet so selbstverständlich sein, als hätte es schon immer existiert. Mit all dem Nutzen, den das WWW bietet, aber auch mit allen Gefahren, die es birgt.

Wird mein Sohn als Teenager ein Facebookprofil erstellen, wie wir dies heute kennen? Ich glaube nicht. Zumindest nicht in dieser Form. Generell dürfen wir gespannt sein, wie sich die sozialen Netzwerke ganz allgemein entwickeln. Wo grosser Nutzen vorhanden ist und Menschenmassen mit Hilfe von Informationen manipuliert werden können, ist bewusster Missbrauch bereits allgegenwärtig. Einen interessanten Artikel zu diesem Thema gab es kürzlich unter dem Titel Facebook ausser Kontrolle in der NZZ (online) zu lesen.

Wie die Kinder von heute mit den Technologien von morgen umgehen, müssen sie selbst herausfinden. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, heute einen möglichst stabilen Grundstein zu legen, damit sie es ohne Stolpersteine herausfinden können. Konsequent kein Internet oder moderne Medien ist demnach auch keine Lösung. Denn wie sollen sie in zehn Jahren damit umgehen, wenn sie es heute nicht im kleinen sowie geschützten Rahmen lernen?

Zeitlich losgelöster Medienkonsum

Uns betrifft aktuell insbesondere der Medienkonsum über Fernseher oder Tablet. Dies erlauben wir unserem Sohn unter Aufsicht. Wir haben jedoch keine technischen Barrieren wie Kinderschutz oder ähnliches eingerichtet. Er darf beispielsweise selbst auf dem iPad Serien im YouTube-App anschauen und so sucht er sich jeweils eigenständig aus, was er sehen möchte. Als Eltern haben wir jedoch selbstverständlich beide Augen darauf, dass die Inhalte seinem Alter entsprechen.

Den Fernseher wiederum bedienen wir Eltern. Denkt man an mögliche Kindersperren, muss man auch diesen einbeziehen. Mit den heute gängigen Replay-Funktionen sowie dem ebenfalls bereits üblichen Anschluss ans Internet, sind auch auf dem TV zu jeder Zeit sämtliche Inhalte abrufbar. Psycho zum Ausruhen nach dem Mittag und Rambo zum Einschlafen? Möglich, aber wohl nachwievor nicht empfehlenswert für Dreijährige.

Ein paar tolle Ideen für Kindersendungen findet ihr übrigens auf meinem Blog – vom Bob, dem Baumeister bis zu Paw Patrol, den Helfern auf vier Pfoten. Wenn ihr nun denkt, euer Kind schaue zuviel Fernsehen, nehmt das nicht allzu tragisch. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es automatisch auch wieder weniger wird und wenn die Helden der Sendungen tagaus tagein real nachgespielt werden, ist das eine wahre Freude. Aber eben, dazu sollten die Sendungen auch altersgerecht sein.

Für den Moment gestaltet sich bei uns daheim der Umgang mit dem Internet also ziemlich entspannt. Aber wie schaut das in zwei, drei Jahren aus? Braucht man heutzutage im Kindergarten ein Handy, damit man mal eben nach Hause schreiben kann, dass die Kindergärtnerin heute besonders streng ist? Damit man direkt und ohne Umwege mit dem heimischen SUV und dem Rechtsanwalt auf dem Beifahrersitz vorfahren kann?

Ich hoffe nicht. Denn wir haben weder SUV noch einen Anwalt unseres Vertrauens. Aber das mit dem Handy wird früher oder später bestimmt ein Thema werden. Ich selbst kaufte mir mein erstes Handy mit 21 Jahren. Aus dem einfach Grund, dass ich vorher das Geld dazu nicht hatte und es diese Dinger noch ein wenig davor überhaupt gar nicht gab. Dann war ich lange Zeit der Meinung, dass auch Teenager, die noch kein eigenes Geld verdienen, bestimmt kein eigenes Handy brauchen. Aber naja, von meinem Patenkind weiss ich nun auch, dass die heutige Kommunikation auf dem Pausenplatz sehr oft via WhatsApp und Co funktioniert. Wollen wir unser Kind also nicht zum Aussenseiter machen, müssen wir irgendwie mit der Entwicklung mitgehen.

Aufklärung wichtiger als technische Barrieren

Wie dieser Umgang in naher Zukunft sinnvoll aussehen wird, getraue ich mir heute noch nicht zu sagen. Wichtig wird jedoch sein, die Entwicklung in der Region (Freunde, Schule usw.), aber auch ganz allgemein zu beobachten und aufgrund dessen die zu diesem Zeitpunkt schlaueste Lösung zu finden. Wie entwickeln sich nun aber die verfügbaren Informationen? Und, genauso wichtig, welche Informationen soll das eigene Kind von sich preisgeben dürfen?

Zurzeit ist unser Sohn noch nicht via Social Media erreichbar und wir Eltern haben uns entschieden, keine Fotos von ihm im Internet zu publizieren. Dies dank einem Vortrag an den ersten Swiss Blog Family vom vergangenen Jahr, wie ich in meinem Beitrag Wie öffentlich darf ich Fotos meiner Kinder publizieren? schrieb. Aber eben – die Zeit bleibt nicht stehen.

Technische Schutzmechanismen können den Zugang einschränken. Nur bin ich überzeugt davon, dass unsere Kinder verdammt schnell lernen – schneller als selbst mir als Ingenieur lieb ist. Ist es nicht ein wunderbares Gefühl, eine künstlich hergestellte Barriere zu überlisten und die dahinter befindlichen Inhalte nur schon deswegen anzuschauen?

Viel wichtiger sehe ich die Aufgabe der Aufklärung an. Wenn wir die Gefahren des Internets begreiflich rüberbringen können, dann ist die Chance viel höher, dass unsere Kinder nicht – oder zumindest weniger – in die Fallen des weltweiten Netzes fallen.

Ich hoffe schwer, dass wir das gemeinsam als Familie schaffen. Ob es geklappt habt, kann ich euch in 15 Jahren erzählen. Aber wer weiss schon, ob es diesen Blog dann noch geben wird?

internet4kids

3 Kommentare zu “Aufwachsen inmitten weltweiter Vernetzung – Gefahren und Chancen des Internets

  1. Hallo Stefan
    Toller Artikel und herzliche Gratulation zum 2. Platz beim Swissblogfamily-Award! Ich hätte dich gerne persönlich getroffen und hoffe, das lässt sich bei anderer Gelegenheit einmal nachholen. Vielleicht, wenn ich irgendwann für den Greifensee-Lauf parat bin – ich arbeite daran ;-).
    Herzlich
    Anita

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