Guter Kriminalpolizist. Unmöglicher Beziehungspartner.

Keine Angst. Der Titel sagt nichts über das allgemeine Verhalten der Gesetzeshüter aus. Dafür kenne ich zuviele Polizisten – rein privat, nicht geschäftlich dank Gesetzesverstössen. Die Rede im Titel ist von einem ganz bestimmten Kriminalpolizisten, welcher in der Stadt Zürich ermittelt. In meist komplexen Fällen. Gemeint ist Bruno Cavalli von der Abteilung Kapitalverbrechen. Oder Leib und Leben, wie es neu heisst.

Beruflich ein Genie. Im Umgang mit seinen Mitmenschen alles andere als umsichtig. Nicht zu seinen Mitarbeitern, aber auch nicht zu seiner Ex-Freundin und doch noch irgendwie Lebenspartnerin – die Staatsanwältin Regina Flint. Wenn es gilt ein Verbrechen aufzuklären, so funktionieren alle zusammen jedoch perfekt. Bis zu einem bestimmten Punkt. Aber lest selber.

Die Kriminalgeschichten entstammen der Feder von Petra Ivanov. Die gebürtige Zürcherin wuchs in den USA auf. Nach ihrem Studium an der Dolmetscherschule Zürich arbeitete sie als freie Übersetzerin, Sprachlehrerin sowie später als Journalistin für verschiedene Redaktionen. Heute lebt Petra Ivanov mit ihrer Familie in Dübendorf nahe Zürich.

Petra Ivanov

Erfolgsautorin aus Dübendorf: Petra Ivanov. (Quelle: petraivanov.ch, Bildnachweis: Fotografie Chris Marogg)

Ihr erster Kriminalroman erschien 2005. In Fremde Hände ermittelten Bruno Cavalli und Regina Flint erstmals gemeinam – zumindest, was die Erscheinungreihenfolge der Bücher angeht. Mit dem relativ kurzen eBook Hangar B erlebt man als Leser erst einiges später, wie sich die beiden Ermittler in New York kennen lernten. Selbstverständlich nicht gemütlich in einem Kaffee. Kernthema ist ein Datendiebstahl im Bankensektor. Haarscharf rettet Cavalli am Ende Regina Flint das Leben.

Spannend und Persönlich

Auch wenn dieser Rückblick zu den Anfängen der Beziehung Cavalli-Flint aus meiner Sicht nicht sehr spannend ist, finde ich sämtliche anderen Fälle umso besser. Die Romane behandeln ganz unterschiedliche Themen. Aller Anfang nehmen die Bücher in der Kehrrichtverbrennungsanlage in Zürich Nord. In einer Auto-Dachbox wird die Leiche einer jungen Frau entsorgt. Die Spuren führen ins Zürcher Rotlichtmilieu. Das Motiv ist auf den ersten Blick klar: Geld. Bis ein zweiter Mord geschieht.

Petra Ivanov Fremde Hände

Fremde Hände – der erste Fall für Bruno Cavalli und Regina Flint. (Quelle: petraivanov.ch)

Der zweite Fall behandelt die Problematik der Asylunterkünfte und deren Bewohner. Was hat der Pfarrer mit dem Brand der Asylunterkunft in Witikon und dem Tod dreier Personen zu tun? Auch Cavallis Sohn Chris, welcher bei seiner geschiedenen Frau lebt, kommt mit dem Gesetz in Konflikt. Bringen die Vorkommnisse die beiden näher zusammen?

In Stille Lügen, dem vierten Roman, möchte Regina Flint der Mutter einer ehemaligen Schulfreundin lediglich einen Gefallen tun. In ihren Ferien mit Bruno Cavalli im Südkaukasus stellt sie einige Erkundigungen an zum Verbleib ihrer einstigen Freundin. Sie stechen dabei in ein Wespennest und geraten selbst in grösste Gefahr – und verbringen gar mehrere Wochen in Haft.

Wenn der Täter in den eigenen Reihen vermutet wird

Einer der spannendsten und besten Fälle der Cavalli-Flint-Reihe ist Tiefe Narben. Die Leiche einer toten Frau wird gefunden. Es scheint ein weiteres Opfer des bereits verurteilten und inhaftierten „Metzgers“ zu sein. Die Untersuchungen ergeben jedoch, dass dieser zum Todeszeitpunkt bereits im Gefängnis sass. Wurde der falsche Täter bestraft? Gibt es einen Nachahmungstäter?

Petra Ivanov Tiefe Narben

Tiefe Narben – mein Favorit. (Quelle: petraivanov.ch)

Der Fall bringt die ganze Ermittlergruppe von Polizei und Staatsanwaltschaft an ihre Grenzen – und weit darüber hinaus. Bruno Cavalli verdächtigt jeden, egal wie nahe sie einander stehen. Rücksichtslos ermittelt er weiter und zerstört dabei sehr viel Vertrauen. Doch ist der Täter tatsächlich in den eigenen Reihen zu finden?

Wenn Kinder verkauft werden – oder noch schlimmer

Um ein trauriges Thema geht es im Fall Nummer 6 – Leere Gräber. Eine zufällig gefundene Leiche im Zürichsee stellt die Kriminaler vor ein Rätsel. Wer lag da 30 Meter tief auf dem Grund des Sees? Besteht ein Zusammenhang zur Serie der Bootsbrände? Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, da das Team der Abteilung Leib und Leben nur noch aus Einzelkämpfern besteht. Regina Flint von der Staatsanwaltschaft versucht das zerrüttete Team zusammen zu halten und fokusiert am Fall zu arbeiten.

Es stellt sich heraus, dass es sich beim Toten um einen bekannten argentinischen Journalisten handelt. In Argentinien sitzt bereits ein Beschuldigter in Haft. Aber Regina Flint glaubt nicht an die Geschichte der argentinischen Behörde. Aber was soll sie tun ohne Beweise? Die Hintergründe sind tragisch. Die Ermittlungen führen zu einer Klinik, wo mit Kindern und Organen von Neugeborenen gehandelt wird. Ohne das Wissen der Mütter.

Unglaubliche Gräueltaten im bisher letzten Fall

Der siebte und bisher letzte Fall für Cavalli und Flint zeigt Einblicke in das Leben eines engagierten und  verbittert kämpfenden Politikers. In Heisse Eisen verschwindet der Kantonsrat Moritz Kienast spurlos. Wenige Wochen später wird in einer abgebrannten Waldhütte seine aufgespiesste Leiche gefunden. Wie kann man nur eine solche Tat vollbringen? Und vor allem: wer ist dafür verantwortlich? Was verschweigt seine Ehefrau?

Petra Ivanov Heisse Eisen

Heisse Eisen – der bisher Letzte der Cavalli-Flint-Reihe. (Quelle: petraivanov.ch)

Es ist brutal, was in diesem Buch geschildert wird. Und doch geht es einem – zumindest mir – weniger nahe, als die Verbrechen an Kindern. Aber genau diese Unterschiede der Handlungen machen die Bücher von Petra Ivanov so spannend und abwechslungsreich zum Lesen.

Der Eigenbrötler Cavalli

Die Mordfälle sind das eine und dominieren die Geschichten der Bücher. Die Charaktere sind das andere. Sie entwickeln sich weiter – zum guten und zum schlechten. Das Team der Kriminalpolizei um Bruno Cavalli verändert sich in jedem Buch sehr stark. Persönliche Schicksalsschläge, Gewalteinwirkungen der gesuchten Verbrecher, aber auch (grosses) Misstrauen lassen den Teamgedanken immer mehr verschwinden.

Die grundsätzliche Denkweise von Bruno Cavalli, sich nie für etwas zu entschuldigen, hilft da nicht gerade weiter. Im Gegenteil. Er eckt an – und zwar gewaltig. Und doch fühlt man mit ihm, auch wenn ich ihn desöftern zum Teufel wünschte. Er ist einfach ein guter Ermittler und das macht ihm so schnelle keiner nach. Persönlich ist er jedoch schlichtweg ein A.

Schwierige Beziehung zwischen Cavalli und Flint

Cavalli hat seine Wurzeln in den USA bei den Cherokee-Indianern, wo seine Grossmutter noch immer lebt. Mit Regina Flint hatte er eigentlich seine Traumfrau gefunden. Es ist ihm jedoch nicht möglich, von anderen Frauen abzusehen und so trennten sich ihre Wege. Cavalli zieht in die USA. Das alles war vor dem ersten Buch. Er kommt zurück in die Schweiz und leitet die Ermittlungen von schwierigen Mordfällen bei der Kantonspolizei.

Es geht nicht lange, und die Wege von Cavalli und Flint kreuzen sich. Als Staatsanwältin ist Regina Flint für die Ermittlungen von Cavalli verantwortlich. Meistens zumindest. Aber mit von der Partie ist sie natürlich immer. Im Grunde sind sie immer noch ineinander verliebt, doch Cavalli ist schlichtweg nicht in der Lage, eine ernsthafte Beziehung zu führen. Das schmerzt Regina stark. Aber irgendwie finden die beiden immer wieder zueinander. Geht das gut auf die Dauer? Plötzlich ereignet sich etwas äusserst Spezielles – und dieses Lebensereignis ruft eine völlig neue Seite in Cavalli hervor.

Petra Ivanov

Bringt spannende Kriminalfälle in die Region Zürich: Petra Ivanov. (Quelle: petraivanov.ch, Bildnachweis: Fotografie Chris Marogg)

Fazit: ein Muss für Krimi-Fans!

Ich bin dank einem Tipp in einem Kommentar auf diesem Blog auf die Bücher von Petra Ivanov aufmerksam geworden. Danke dafür an dieser Stelle an Bea von Flohnmobil. Mittlerweile haben meine Frau und ich sämtliche Fälle von Bruno Cavalli und Regina Flint gelöst. Meine Frau hat etwas Vorsprung ist auch mit den Fällen von Jasmin Meyer und Pal Palushi bereits weit fortgeschritten. Ich bin ihr jedoch auf den Fersen. Oder besser gesagt, auf den Zeilen. Den Buchzeilen.

Der Schreibstil von Petra Ivanov sagt mir persönlich sehr zu. Die Bücher sind flüssig zu lesen. Die Geschichten sind spannend und abwechslungsreich. Und die Fälle bleiben meist knifflig bis (fast) ans Ende. Auch wenn man den Hauptermittler der Serie manchmal zum Teufel wünscht, ist die Entwicklung der Personen sehr interessant und man fühlt mit ihnen mit. Insbesondere Regina Flint ist mir ans Herz gewachsen.

Reihe mit Bruno Cavalli und Regina Flint

Um nun die Gedanken zu ordnen und damit ihr mit dem richtigen – dem ersten – Roman der Cavalli-Flint-Reihe anfangt, folgt hier eine Auflistung aller Bücher.

  • Fremde Hände (2005)
  • Tote Träume (2006)
  • Kalte Schüsse (2007)
  • Stille Lügen (2008)
  • Tiefe Narben (2010)
  • Leere Gräber (2012)
  • Hangar B (2015)
    nur als eBook; geschichtlich ein Rückblick zu den Anfängen der Beziehung zwischen Bruno Cavalli und Regina Flint
  • Heisse Eisen (2015)

Die Bücher der Cavalli-Flint-Reihe direkt bei Amazon kaufen.

Petra Ivanov Cavalli Flint

Reihe mit Jasmin Meyer und Pal Palushi

Hat man die Bücher mit Cavalli und Flint gelesen, so kennt man die Hauptpersonen dieser Romane bereits bestens. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Drei Bücher sind in dieser Reihe bereits erschienen, darunter der zurzeit aktuellste Roman von Petra Ivanov.

  • Tatverdacht (2011)
  • Hafturlaub (2014)
  • Täuschung (2016)

Die Bücher der Meyer-Palushi-Reihe direkt bei Amazon kaufen.

Weitere Bücher von Petra Ivanov

Mord in Switzerland

(Quelle: petraivanov.ch)

Es gibt noch viele weitere Bücher der Autorin Petra Ivanov. Speziell erwähnenswert sind die zwei Bände Mord in Switzerland (Band 1 und 2). Jeder Band enthält „18 ernste, humorvolle und packende Kriminalgeschichten von bekannten Schweizer Autorinnen und Autoren sowie von vielversprechenden Neuentdeckungen“. So steht es in der Buchbeschreibung. Wenn man das so liest, erscheint einem die Schweiz als ein einziger Tatort. Also lasst uns ermitteln – und lesen.

Alle aufgelisteten Bücher sind im Appenzeller Verlag und/oder Unionsverlag erschienen. Weitere Informationen über Petra Ivanov und ihre Werke gibt es auf ihrer Homepage unter petraivanov.ch.

Herzlichen Dank an Bea von Flohnmobil für den wirklich tollen Tip der Cavalli-Flint-Romane.
Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

5 Antworten

  1. Flohnmobil sagt:

    Ist doch wunderbar, dass ich euch Luzerner auf lokale Lektüre brachte, die erst noch spannend ist. Ich bin übrigens heillos im Hintertreff mit meinen Ivanov-Büchern. Ich habe ohnehin nicht alle und schon gar nicht in der „richtigen“ Reihenfolge gelesen. Hast du sie alle gekauft?
    Grüessli
    Bea

  2. Herzlichen Dank für die Erwähnung! Es freut mich sehr, dass euch die Bücher gefallen. Darf ich noch zwei Sachen ergänzen?

    Hangar B erschien vorerst nur als eBook, weil ich zum 10-Jahr-Jubiläum meinen LeserInnen eine Freude bereiten wollte. Immer wieder haben sie gefragt, wie sich Flint und Cavalli kennengelernt haben. Allerdings ist Hangar B nur eine halbe Geschichte. Am Schluss wird der Mörder gefasst, nicht aber der Drahtzieher. Deshalb erschien die Geschichte nur als eBook. Im April 2017 wird sie nun in Papierform erscheinen, und zwar inklusive zweite Hälfte. „Erster Funke“ heisst das Buch.

    Erwähnen würde ich ganz gerne auch „Delete“, Das ist zwar ein Jugendbuch, aber da es aus der Sicht von Chris Cavalli geschrieben ist, wird es fast häufiger von Erwachsenen gelesen. Lily, die Halbschwester von Chris, wird darin entführt. Das ist aber nur ein Teil der Geschichte. Viel wichter ist Chris als Figur sowie seine Beziehung zum Vater. Da weder Regina noch Cavalli je von der Entführung erfahren, wissen die LeserInnen der Krimi-Reihe nichts davon…

    • szWebBlog sagt:

      Herzlichen Dank für die Ergänzungen.

      Das 10-Jahr-Jubiläum beim Erscheinen von Hangar B habe ich etwas unterschlagen. Nun freuen wir uns umso mehr auf nächsten Frühling und die komplette Geschichte…

      Liebe Grüsse, Stefan

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