Das Schicksal ruft auf Gleis 4

Isabelle ist unterwegs in die wohlverdienten Ferien. Nach einer unerwarteten Operation reist sie ihrer Freundin nach auf die aeolischen Inseln, nach Stromboli. Als sie mit ihrem Koffer vor der grossen Treppe im Bahnhof Oerlikon steht, bietet ihr ein älterer Herr seine Hilfe an. Gerne nimmt Isabelle diese an, doch wenig später bricht der unbekannte Helfer auf dem Perron tot zusammen.

Isabelle leistet erste Hilfe, weitere Pendler rufen Ambulanz und Polizei. Der Zug von Isablle fährt ohne sie, ebenso der Flieger in den Süden. Nun nimmt die Geschichte seinen Lauf. Isabelle verzichtet, später zu fliegen und will mehr über den unbekannten Toten herausfinden. Ob das eine gute Idee war?

Das Handy

Zu Hause merkt Isabelle, dass sie die Mappe des Unbekannten aus Versehen in ihren Koffer gepackt hatte. Sie nimmt sich vor, diese der Polizei zu bringen, doch dann klingelt ein Handy. Nicht ihres, sondern jenes aus der Mappe. Mit unterdrückter Nummer und einer mysteriösen Nachricht. Er solle nicht zum Nordheim kommmen. Was soll das bedeuten? Beim Nordheim handelt es sich um einen Friedhof und so besucht Isabelle tags darauf die dort stattfindenden Beerdigungen in der Hoffnung, die Bekannten oder Verwandten des auf Gleis 4 verstorbenen Unbekannten ausfindig zu machen.

Franz Hohler Gleis 4

Die Beerdigung

Dies gelingt ihr erstaunlich gut, doch sind die anwesenden Leute nicht gut auf sie respektive den Unbekannten zu sprechen. Aber weshalb nur? Wer wurde beerdigt und weshalb war die Anwesenheit des Unbekannten dermassen ausdrücklich nicht erwünscht? Es tut sich eine familiäre Tragödie auf, die weit zurückgeht in die Kindheit des Unbekannten. Vergeben, verzeihen oder auch nur vergessen gehört nicht zu den Eigenschaften der Familienmitglieder. Zu stark wiegt die Erinnerung an eine grosse Tragödie innerhalb der Familie.

Die Tragödie

Keine Ahnung scheint auch die Ehefrau des Unbekannten zu haben. Dieser stellt sich als der Kanadier Martin Blancpain heraus und seine Frau Véronique reist zur Abholung des Leichnams in die Schweiz, wo sie in der Folge bei Isabelle wohnt. Gemeinsam mit Sarah, Isabelles Tochter, forschen sie in der Vergangenheit von Martin und decken immer mehr auf.

Dass er Isabelle angesprochen hatte, war also kein Zufall, sie war persönlich gemeint. Er suchte einen Schutzengel für seine Tante und ahnte nicht, dass er seinen Todesengel fand.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als Martin alias Marcel, wie er damals hiess, seiner leiblichen Mutter weggenommen wird und als Findelkind einer Bauernfamilie zugeteilt wird. Wie es so vielen Findelkindern erging, erlebte er keine schöne Kindheit und als es bei einer Bergtour auf den Grossen Mythen zur grossen Tragödie kam, wurde er in ein Heim abgeschoben. Als noch junger Erwachsener flüchtete er in der Folge nach Kanada, nahm eine neue Identität an und lebte dort mit seiner Ehefrau Véronique.

Das Buch

Die Geschichte von Franz Hohler in Gleis 4 ist unterhaltsam, relativ kurz und leicht zu lesen. Und trotzdem macht sie auf eine Tatsache aufmerksam, mit welcher die Schweiz auch heute noch Mühe hat mit der Aufarbeitung. Der Umgang mit Findelkindern in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Aus unterschiedlichen Gründen wurden damals Kinder den leiblichen Eltern weggenommen und in fremde Familien gegeben oder in Heime gesteckt. Dort wuchsen sie jedoch meist weniger als Kinder, denn vielmehr als billige Arbeitskräfte heran.

Der Autor Franz Hohler selbst wurde in dieser Zeitepoche geboren (1943). Heute ist er Vater von zwei Söhnen und lebt mit seiner Frau in Zürich Oerlikon. Er hat in seinem Leben bereits unzählige Geschichten, Kurzgeschichten, Romane, Kinderbücher sowie Theaterstücke verfasst und durfte dafür zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland entgegen nehmen. Für seine Homepage sollte es ebenfalls einen Preis geben, ist sie doch einfach mal was anderes und absolut passend für einen Schriftsteller – unbedingt reinklicken auf franzhohler.ch.

Das Vergnügen

Neben Franz Hohler gibt es noch viele weitere sehr gute Autorinnen und Autoren aus der Schweiz. Einige davon finden sich auf meiner Seite SchweizLesen. Noch mehr gute Bücher gibt es zudem in meinen Lese-Empfehlungen – weltweit.

Schweiz Lesen

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