In Bewegung: Herzrasen 2.0 – Die berührende Geschichte des Ironman-Finishers mit zwei Herzen

Sport ist sein Leben. Besonders der Triathlon hat es dem Ausdauersportler Elmar Sprink angetan. So träumt er von einer Qualifikation für den legendären Ironman auf Hawaii und arbeitet hart darauf hin. 2014 ist es soweit und er finisht die knapp vier Kilometer Schwimmern, 180 Kilometer Radfahren sowie den abschliessenden Marathon im Laufen erfolgreich. Ein Erfolg, der mehr Wert ist, als jeder Sieg. Denn vier Jahre zuvor schrammte er nur haarscharf am Tod vorbei – Herzstillstand.

Der Sport wird sekundär. Was zählt, ist sein Leben. Es folgen monatelange Spitalaufenthalte, unzählige Untersuchungen, ein neues Herz und das erneute Lernen grundsätzlicher Abläufe wie etwa das Laufen. Der Ironman rückt in weite Ferne. Der einzige Wettkampf von Elmar Sprink spielt sich im Spitalbett ab. Und doch schafft er es. Mit einem neuen Herzen und einem beeindruckenden Willen fängt er wieder an zu Laufen, geht aufs Rad und schwimmt Runde um Runde im Wasser – Respekt!

Mehr zufällig als bewusst bin ich im Sportmagazin Fit for Life auf den Buchtipp für Herzrasen 2.0 gestossen. Im Beitrag Eine Geschichte mit Herz von Michael Kunst in der Ausgabe 2/2018. Mein Interesse war geweckt, wie man mit solchen medizinischen Kapriolen solch unglaubliche Leistungen erbringen kann. Leistungen, die für vollkommen gesunde und sportliche Menschen vielfach unerreichbar sind. Elmar Sprink zeigt uns allen, wie man mit viel Willen, Mut und Disziplin das Unmögliche möglich machen kann. Man muss zu Beginn ganz einfach daran glauben – und sich danach auf den Weg machen. Auf den Weg hin zum Ziel. Möge das in noch so weiter Ferne liegen.

Elmar Sprink Herzrasen

Herzrasen 2.0 von Elmar Sprink (Quelle: Delius Klasing Verlag)

Die Geschichte hat mich gepackt und bewegt. Ich war gleichermassen fasziniert und schockiert. Fasziniert von den Leistungen und dem Durchhaltewillen von Elmar Sprink, aber ganz besonders auch von seinem Umfeld. Frau, Familie, Freunde – alle waren sie über die lange Zeit für ihn da. Und ganz bestimmt sind sie das auch heute noch. Schockiert war ich jedoch über die medizinischen Notfallsituationen, die er erleiden musste. Wie schnell es manchmal geht, selbst wenn man im besten Alter und eigentlich voll im Schuss ist. Heute noch eine schnelle Runde durch den Wald – morgen schon mit leeren Batterien auf der Notfallstation.

Salzkotten 1971 – Geburt eines motivierten Ausdauersportlers

Am 26. Dezember 1971 wird Elmar Sprink in Salzkotten im Bundesland Nordrhein-Westfalen geboren. In der Nähe von Paderborn, zwischen Köln und Hannover gelegen, wächst Elmar Sprink auf dem Lande auf und begeistert sich besonders stark für Fussball. Mehr und mehr findet er Freude an den Disziplinen Laufen, Radfahren und Schwimmen mit dem logischen Resultat – Triathlon. Und der ebenso logischen, wenn auch weitaus anstrengenderen Fortsetzung – Ironman. So werden aus den ersten 10 Kilometern am Osterlauf in Paderborn bald einmal die ersten vier Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen. 2005 schafft Elmar Sprink am Ironman Germany in Frankfurt seinen ersten Langdistanz-Wettkampf.

Ich war keine 40 Jahre alt und führte das Leben eines 80-Jährigen, der unter schweren gesundheitlichen Problemen litt. Ich muss zugeben: In Phasen wie diesen sass ich oft zu Hause und musste losheulen.

Das Studium führt ihn nach Köln und ein sportlicher Aufenthalt in Hamburg führt seine heutige Frau Karin zu ihm. Für Trainingslager weilt er immer mal wieder mit Freunden auf Mallorca und Fuerteventura. Man kann sagen, der Sport war sein Leben. So reist er an diverse Wettkämpfe weltweit und peilt eine Teilnahme an den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii an. Ein Traum, der erst nach mühseligen Umwegen wahr werden soll.

Bad Oeynhausen 2012 – Geburt eines willensstarken neuen Lebens

Am 9. Juni 2012 wird Elmar Sprink in Bad Oeynhausen erneut geboren. Mit einem neuen Herzen in der Brust. Das Leben 2.0 beginnt für den Ausdauersportler noch einmal ganz von vorne. Beinahe, jedenfalls. Knapp zwei Jahre zuvor, am 12. Juli 2010, erleidet er zu Hause auf dem Sofa einen Herzstillstand. Das Leiden nimmt seinen Anfang. Alleine im Jahr 2011 stehen zehn Krankenhausaufenthalte zu Buche, ohne zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Eine Untersuchung jagt die nächste, aber besser wird es nicht wirklich. Zwei Tage nach seinem 40. Geburtstag wird er ins Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ) in Bad Oeynhausen eingeliefert, wo er die nächsten Monate auf ein Spenderherz wartet. Im Bett. Liegend. Unfähig, auch nur die notdürftigsten Bewegungen zu machen.

Jetzt war der Moment gekommen, auf den ich über ein halbes Jahr jeden Tag gewartet hatte! Die zweite Chance, die Chance auf ein neues Leben, ein Leben ausserhalb der Krankenhausmauern!

Nach dem monatelangen Warten und Bangen ist es eines Abends im Juni 2012 soweit. Es ist ein Spenderherz gefunden worden. Die Vorbereitungen beginnen – und zwar sofort. Noch in der darauffolgenden Nacht wird Elmar Sprink operiert. Am nächsten Tag erwacht er mit einem neuen Herzen und sein zweites Leben beginnt. Doch der Einstieg zurück ins mobile, aufrechte und sportliche Leben ist alles andere als einfach. Aus medizinischer Sicht stehen regelmässige Untersuchungen an und auf bestimmte Medikamente wird er den Rest seines Lebens angewiesen sein. Und körperlich fängt es für ihn an, wie für einen Säugling nach der Geburt. Mit dem Unterschied, dass er bereits weiss, wie es geht. Aufstehen, Laufen, Bewegen – Grundsätzliches und Alltägliches muss erst wieder neu erlernt werden.

Hawaii 2014 – Geburt eines heldenhaften Ironman-Finishers

Am 11. Oktober 2014 wird Elmar Sprink auf Hawaii als Held der Ironman-WM gefeiert. Als erster Mensch mit einem transplantierten Herzen erreicht er in den Abendstunden jenen Tages die Ziellinie auf dem Ali’i Drive in Kona. Was für mich als normal-sportlicher bereits von allen Teilnehmern grössten Respekt abverlangt, erhält mit dieser Leistung noch eine zusätzliche Brisanz. Hut ab! Von der Teilnahme hat er schon lange geträumt, dass eine solche jedoch Tatsache werden würde, wurde mit der Operation immer unwahrscheinlicher. Seine spezielle und berührende Geschichte machte es möglich – und er dankte es mit einer überragenden sportlichen Leistung.

Schwimmen, Radfahren und Laufen – alle drei Disziplinen hatten mich nach meiner Herztransplantation wieder. Und schon reizte es mich, an einem richtigen Wettkampf teilzunehmen.

Doch der Ironman auf Hawaii war nur die Krönung. Die grossen Leistungen fingen schon viel früher an. Bereits rund zwei Monate nach der Transplantation startete Elmar Sprink mit den ersten Gehversuchen im Krankenhaus. Ergometer- und Radtraining folgten direkt am Bett und schon Ende Jahr reiste er mit seiner Familie ins Stubaital in den Winterurlaub. Nach den Snowboard-Schwüngen auf dem Gletscher kam dann im Januar 2013 das Lauftraining wieder dazu und am 30. März 2013 startete er bereits wieder am Paderborner Osterlauf. Exakt ein Jahr nach der Transplantation startete er zum ersten Triathlon mit dem neuen Herzen (Sprintdistanz) und wenig später, am 1. Juli 2013 bestieg er gemeinsam mit seinem Freund Christoph und dem Bergführer Markus Pucher den 3’798 Meter hohen Grossglockner in Österreich. Ein Jahr später, am 6. Juli 2014, bewiess sich das neue Herz auf der Triathlon-Langdistanz am Ironman Germany in Frankfurt. Der Ironman auf Hawaii konnte kommen.

Bielefeld 2017 – Geburt der beeindruckenden Geschichte in Buchform

Am 10. Juli 2017 wird Elmar Sprink in Bielefeld zum Autor eines packenden und berührenden Buches. Er wird zum Erzähler seiner eigenen Lebens-, Leidens-, und Sportler-Geschichte. Das Buch Herzrasen 2.0 erscheint 2017 im Delius Klasing Verlag in Bielefeld und erzählt, wie Elmar Sprink zum Triathlon fand, wie er die ungewisse Zeit in den Spitälern erlebte und wie er sich nach der erfolgreichen Operation wieder ins sportliche Leben zurück trainierte. Mich haben an seiner Geschichte jedoch nicht nur seine sportlichen Leistungen fasziniert. Es waren ganz besonders die offene, ehrliche und schonungslose Erzählung selbst der negativsten Erlebnisse. Und es war die Unterstützung, welche man auch als Leser fühlt. Seine Frau Karin, seine Eltern und Schwiegereltern, seine Freunde – all diesen hat er nebst dem Spender und allen Medizinern und Pflegern sein Leben irgendwie zu verdanken. Grossen Respekt gebührt auch all diesen Menschen.

Es würde mich freuen, wenn auch Sie sich dazu entscheiden würden, in Zukunft einen Organspendeausweis mit sich zu tragen und Ihren Angehörigen mitzuteilen, dass Sie sich für eine Organspende entschieden haben. Denn Sie müssen eines bedenken: Dieses Buch endet mit einem Happy End, weil der, der die Geschichte erzählt, überlebt hat.

Doch trotz allen sagenhaften Leistungen trägt er seit dem 9. Juni 2012 einen Fremdkörper in sich – ein Herz eines Unbekannten, welches nun für ihn schlägt. Diesem Umstand ist sich Elmar Sprink bewusst und wirbt daher für das Thema Organspende. Man kann damit Leben retten, wenn man selbst nicht mehr darauf angewiesen ist. Schon morgen kann es uns betreffen – niemals dürfen wir uns vollkommen sicher sein. Mit dem Kauf von Herzrasen 2.0 über seine Homepage unterstützt jeder Leser indirekt die Kinderstation des HDZ in Bad Oeynhausen. Jährlich fliesst ein Teil des Erlöses aus dem Buchverkauf dort hin. Weitere Informationen zum Thema Organspenden finden sich zudem auf der Homepage von Junge Helden e.V. oder auf organspende-info.de, einer Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). In der Schweiz kann man sich die Spenderkarte auf Swisstransplant bestellen, online ausfüllen und ausdrucken oder diese digital auf dem Smartphone hinterlegen mittels der App Echo112 – Medical ID (Google Play, App Store).

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Entscheidet auch ihr euch, ein Leben zu retten, wenn wir sie nicht mehr benötigen. Vielleicht können wir selbst mit diesem Beitrag ein kleines bisschen dazu beitragen und das Bewusstsein zur Organspende fördern. Ich, indem ich den Beitrag verfasst habe. Wir alle, indem wir ihn auf den sozialen Medien (ver)teilen. Dankeschön.

Als Triathlet war für mich mit dem Ironman auf Hawaii der grösste Traum in Erfüllung gegangen. Die Lust, auch weiterhin etwas zu bewegen und dabei auch mich zu bewegen, war jedoch weiter ungebrochen.

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