Spannende Buch-Entdeckung aus Schweden – Tiefgefroren bei Minus 18 Grad

Schweden ist bekannt für gute Bücher. Unvergessen sind Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren. Seit langem kommen aber auch überaus spannende Kriminalromane aus dem gelb-blauen Ikea-Land. Wer kennt nicht Kommissar Wallander von Henning Mankell oder die Romane von Hakan Nesser? Ich liebe sie alle.

Nun habe ich einen neuen schwedischen Autor entdeckt und mit ihm eine tolle Krimi-Reihe. Ohne zu übertreiben handelt sich dabei um einen der besten Krimis der letzten Zeit. Trotz sommerlichen 30 Grad fröstelt es einen beim Lesen von Minus 18 Grad von Stefan Ahnhem.

„Wie gesagt. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.“ Der Mann zeigte mit der Pistole auf die Gefriertruhe.

Ein Muss für alle Krimi-Fans. Aber lest selbst.

Bei Minus 18 Grad handelt es sich um den dritten Band der Krimi-Reihe um Kommissar Fabian Risk. Er gibt zwar der Reihe seinen Namen, ist jedoch nicht die einzige Hauptperson. Verschiedenste Handlungsstränge, welche teilweise zueinander führen machen die Bücher zu einem tollen Leseerlebnis.

Doch in dem Moment, als Fabian aufwachte, wurde ihm klar, dass nichts wie geplant ablaufen würde.

Ich habe direkt mit dem dritten Band begonnen. Dies ist grundsätzlich kein Problem, aber in Anbetracht von gewissen Vorkenntnissen empfehle ich im Nachhinein den Start mit dem ersten Buch. Dagegen spricht jedoch die Länge der Bücher, welche mit rund 500 Seiten doch relativ umfangreich sind. Dies hat mich schlussendlich dazu gebracht, direkt mit dem neusten Teil zu beginnen.

Dank dem spannenden und flüssigen Schreibstil sind die Bücher aber schnell gelesen. Nicht zuletzt, weil man das Buch kaum weglegen will. Es gibt selten eine Stelle, wo man nicht unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Spannung pur. Über volle 500 Seiten.

Helsingborg (Schweden)

Die Geschichte(n) spielen sich rund um den Øresund zwischen Schweden und Dänemark ab. Fabian Risk ist derweil Kommissar im schwedischen Helsingborg. Chefin der Kriminaler-Gruppe ist jedoch jemand anders. Astrid Tuvesson leitet die Ermittlungen, hat aber nach der Trennung ihres Ex-Mannes selbst erhebliche Probleme. Diese ertränkt sie gerne mal im Alkohol.

Öresund Minus 18 Grad

Fabian Risk ermittelt in Helsingborg während Dunja Hougaard in Helsingør zum Streifendienst verdammt ist.

So kommt es auch, dass sie eines Morgens ohne wirkliches Ziel in ihren Wagen steigt und bald darauf von einem rabiaten Fahrer gestreift wird. Ihr Rückspiegel ist dahin, ihr Verfolgungssinn geweckt. Der Wagen rast davon und die Verfolgungsjagd endet erst im Hafenbecken – als der Verfolgte über die Quaimauer ins Wasser rast. Am Steuer sitzt Peter Brise, ein vermögender Firmenbesitzer der Region. Aber hat er den Wagen auch wirklich selbst gefahren?

„Was? Was soll das heissen, vor zwei Monaten?“ Fabian kämpfte mit dem Brett vor seinem Kopf. „Sass er nicht am Steuer?“
„Doch, das tat er schon, aber er war tiefgefroren, als sich der Wagen mit Wasser füllte.“

Der Gerichtsmediziner Flätan schaut sich die Leiche aus lauter Langeweile etwas genauer an. Und auch, weil er seinem Kollegen Gruvesson nicht traut. Als er mit der Neuigkeit aufwartet, Peter Brise sei schon lange vor dem Sturz ins Wasser tot gewesen, will ihm erst niemand recht glauben. Die Tatsache, dass dieser zusätzlich tiefgefroren war, macht das ganze noch brisanter. Aber wer hat den Wagen gesteuert, wenn nicht Peter Brise?

Die Ermittlungen starten und reichen in der Folge weit in die Vergangenheit zurück. Als der mutmassliche Täter in Untersuchungshaft genommen werden kann, glauben die Polizisten an den baldigen Erfolg und Abschluss der Ermittlungen. Doch auf unsagbar linkische Art und Weise schafft es der Verdächtige, zu entkommen. Aber eines ist von nun an klar. Er ist nicht alleine.

Er liess ihre Gespräche in seinem Inneren noch einmal ablaufen. Wort für Wort. Silbe für Silbe.
Um zu begreifen.
Dass die Frau in dem Grab Dina Dee war und niemand sonst.
Dass der Täter nicht allein war.

Die Täter übernehmen die Identität ihrer reichen Opfer. Sowohl in Aussehen wie im Benehmen. So gelingt es ihnen, deren komplettes Leben zu imitieren. Auf diese Weise erhalten sie uneingeschränkten Zugang zum ganzen Vermögen, was das eigentliche Ziel der beiden ist. Die Opfer selbst „verstauen“ sie gemeinsam mit einer Flasche Wodka in einer Tiefkühltruhe. Lebend bei Minus 18 Grad. Doch niemand überlebt dies auf Dauer. Haben die Täter das Geld, tarnen sie den Tod der Opfer als Selbstmord oder Unfall.

Helsingør (Dänemark)

Auf der anderen Seite des Øresundes, in Helsingør, Dänemark, fährt die Polizistin Dunja Hougaard mit ihrem Kollegen Magnus gerade Streife, als eine blutüberströmte Obdachlose durch eine Einkaufsstrasse rennt. Dunja wittert etwas grösseres dahinter und will ermitteln. Doch sie ist zur langweiligen Polizeiarbeit in Uniform verdammt.

Der Druck im Rücken erinnerte sie an ein Spiel aus ihrer Kindheit.
„Wie viele Finger sind das?“
Doch diesmal drückten sich keine Fingerkuppen in ihren Rücken, sondern ein Pistolenlauf.

In Kopenhagen arbeitete sie bis vor wenigen Jahren noch als Kripo-Beamtin. Dort geriet sie mit ihrem Vorgesetzten, Kim Sleizner, in grosse Feindschaft. Sie wurde entlassen und, was noch schlimmer ist, Sleizner hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, Dunja beruflich zu ruinieren. Mit viel Glück fand sie schlussendlich in Helsingør doch noch eine Anstellung. Als uniformierte Streifenpolizistin.

Und nun ist sie überzeugt, dass die zuständigen Ermittler der Sache mit den Obdachlosen nicht mit genügendem Respekt begegnen. Eine Gruppe von Teenagern hat es sich zum Spass gemacht, wahllos Obdachlose zu schikanieren und gar in den sicheren Tod zu schicken. Getarnt mit gelben Smiley-Masken. Einfach nur grausam und überhaupt nicht zum Lachen.

Ihr erster Gedanke war, sie hätte sich verlesen.
Der zweite, es wäre ein Zufall.
Der dritte machte ihr solche Angst, dass sie versuchte, ihn sich aus dem Kopf zu schlagen.

Dunja entscheidet sich, selbst die Ermittlungen aufzunehmen. Als sie kurz vor dem Durchbruch steht, macht ihr Kim Sleizner mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Verraten von ihrem eigenen Kollegen. Sie steht am Ende, doch Aufgeben ist keine Option. Leben stehen auf dem Spiel.

Ihre Nachforschungen bringen sie hinüber nach Helsingborg und zu einem alten Freund. Fabian Risk und dessen Sohn Theodor. Dieser ist nämlich stärker in die Taten involviert, als allen Lieb ist.

Tiefgekühlt heisse Spannung

Es hat mich ganz einfach gepackt. Gelesen bei heissen 30 Grad, hat mich Minus 18 Grad gefesselt. So als wäre ich tiefgefroren. War ich glücklicherweise nicht. Die Opfer zwischen Helsingborg und Malmö jedoch schon. Die Ermittler tappen lange im Dunklen und können plötzlich einen grossen Erfolg verbuchen. Doch selbst als ein Täter in Haft sitzt, können sie ihm nichts nachweisen. Es kommt noch schlimmer und der Täter spaziert ganz einfach unerkannt aus dem Gefängnis.

Stefan Ahnhem Minus 18 Grad

Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad. (Quelle. Ullstein Buchverlage)

Gepackt hat mich aber nicht nur dieses eine Buch, sondern der Schreibstil des Autors Stefan Ahnhem. Die Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen und -orten treiben einen zeitweise schier in den Wahnsinn. In diesen Momenten ist es geradezu unmöglich, das Buch wegzulegen. Zu gross das Verlangen nach Wissen, wie es weiter geht.

Sie starrte in das Gesicht, verstand aber immer noch nichts. Irgendetwas daran kam ihr bekannt vor.
Dann begriff sie.
Wie alles zusammenhing. Und warum.

Auch spielt der Autor stark damit, dem Leser genügend, aber nie zu viel Wissen zu vermitteln. So ist kaum zu erahnen, wem man jetzt vertrauen kann und wem nicht. Sind Fabian Risk und seine Kollegen in Gefahr? Oder doch nicht? Oder doch? Höchste Spannung über die volle Länge des Buches.

Im Vordergrund stehen nicht nur die beiden Fälle von Fabian Risk und Dunja Hougaard. Auch an ihren Leben darf man teilhaben, womit man als Leser noch viel mehr mit ihnen mitfiebert. Gespannt bin ich auf die Fortsetzung. Die beiden Fälle sind gelöst. Anstatt in freudige Schlussfolgerungen zu verfallen, liest man auf den letzten Seiten, was noch alles im Argen liegt. Und was aufgrund des Selbstmordes des Kollegen Elvin auf Fabian Risk zukommt. Oder war es nun doch ein Mord?

Der Autor und seine Bücher

Der schwedische Autor Stefan Ahnhem wurde 1966 in Stockholm geboren und wuchs im südschwedischen Helsingborg auf. Heute lebt er mit seiner Familie in Stockholm. Seit den 1990er Jahren schreibt Ahnhem Drehbücher für Filme und Fernsehserien. Unter anderen für die Wallander-Serie des Schriftstellers Henning Mankell. Vor drei Jahren, 2014, erschien sein erster Kriminalroman um Fabian Risk – Offer utan ansikte. Die deutsche Übersetzung erschien 2015 unter dem Titel Und morgen du.

Stefan Ahnhem

Stefan Ahnhem (© Thron Ullberg, Quelle: Ullstein Buchverlage)

Die Reihe um Fabian Risk wurde auf Anhieb zu einem grossen Erfolg. Im Jahresrythmus erschien bisher ein weiterer Roman. Zuletzt 2017 der hier besprochene Krimi Minus 18 Grad. Das mittlere Buch der Serie erschien 2016 unter dem Titel Herzsammler. Alles noch einmal der Reihe nach.

Auf BUCHweltreise um den Øresund

Bei heissen Minus 18 Grad war ich unterwegs durch Schweden und ein wenig Dänemark. Rund um den Øresund von Helsingborg bis Malmö und von Helsingør bis Kopenhagen. Für die BUCHweltreise zählt aufgrund der Haupthandlung und des Autors Schweden als LESEort.

BUCHweltreise

Die BUCHweltreise wurde im Januar 2017 von Yvonne von umgeBUCHt ins Leben gerufen. Mehrere mitLESEreisende sind seither mit ihren Büchern auf der ganzen Welt unterwegs. Sämtliche Reiseberichte aller Lesenden findet ihr auf umgeBUCHt.

Wie viele Opfer da draussen hatten sie noch übersehen?

Meine Reise geht weiter. Mit Frankreich und den Ballearen sind die nächsten Ziele bereits definiert. Ihr dürft also gespannt sein auf meine nächsten BUCHweltreiseberichte. Bleibt dran und abonniert meinen Newsletter.


Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad. List (UIllstein Buchverlage), 2017.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

3 Antworten

  1. Myriade sagt:

    Vielleicht ist das ein Tipp für die Bewältigung weiterer Hitzewellen in diesem Sommer 🙂

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