Born To Run – auf der Suche nach dem Geheimnis des glücklichen Laufens

Born To Run – ist der Mensch zum Laufen geboren? Was ist die Motivation eines Ultralangstreckenläufers, welcher sich bei 50 Grad Celsius über 100 Meilen durch das Death Valley quält? Weshalb sind gerade diese extremen Langstreckenläufer so fasziniert von ihrer Sportart? Fernab jeglichen Rampenlichts und grossen Sponsoringverträgen? Und weshalb sucht Christopher McDougall gerade in einem gefährlichen Tal in den Sierra Madre Mexikos nach den glücklichsten und besten Läufern der Welt?

Eine spannende, aber auch gefährliche Geschichte über das Laufen – und weshalb wir Menschen tatsächlich zum Langstreckenlaufen gebaut sind.

Fernab jeglicher Zivilisation, in den wilden Schluchten der Barrancas del Cobre, den Copper Canyons, leben die Tarahumara. Ein steinzeitliches Volk, welches bekannt ist für ihre Fähigkeit, Langstreckenläufe durch die Wüsten, Berge und Schluchten zu unternehmen. Einfach so, aus Spass oder weil sie vor Gefahren davon laufen. Lediglich mit einfachen Sandalen an den Füssen.

Die Barrancas sind eine vergessene Welt in der allereinsamsten Wildnis Nordamerikas, eine Art Festlands-Bermudadreieck, in dem schon viele Ausgestossene und Desperados, die sich dorthinein verlaufen haben, verschwunden sind.

Christopher McDougall macht sich auf die Suche nach dem unbekannten und scheuen Volk. Doch wo sind sie zu finden? Und wer kann ihm dabei behilflich sein? Da stösst McDougall auf Caballo Blanco. Er trug schon so manchen Namen und seit einem ganz gewissen Ultralangstreckenrennen in Leadville, Colorado lebt Caballo Blanco selbst die meiste Zeit in den Copper Canyons. Es entwickelt sich eine Freundschaft für das Leben, auch wenn diese Leben unterschiedlicher nicht sein könnten. Eines haben sie jedoch gemeinsam: die Faszination für das Laufen.

Born To Run Christopher McDougall

Auf der Reise hin zum grossen, abschliessenden Rennen in den mexikanischen Bergen und Schluchten zwischen US-amerikanischen Langstreckenläufern und den einheimischen Tarahumara, macht die Geschichte immer wieder Abstecher zu bekannten Rennen oder auch Studien über das Laufen. Was bewirkt der moderne Laufschuh für unseren Körper, welcher doch seit jeher zum langen Laufen gemacht ist?

Der Mensch – zum Laufen geboren

Ist der Mensch wirklich zum Laufen geboren? Wie konnte der Mensch in der Urzeit überleben, als es noch keine Speere oder sonstige Jagdwaffen gab? Diesem Thema widmen sich einige Studien. Gemäss jenen im Buch erwähnten ist der Mensch in erster Linie tatsächlich für das lange Laufen gebaut. Also weder für speziell schnelles Laufen, noch für das gemütliche Gehen. Nein, der menschliche Körper ist optimal geeignet für das Langstreckenlaufen.

„Nahezu alle Läufer sind bei ihren langsamen Läufen zu schnell und bei ihren schnellen Läufen zu langsam“, sagt Ken Mierke.

So jagten unsere Vorfahren die Tiere, indem sie ihnen nachjagten. Solange, bis diese vor Erschöpfung tot umfielen. Viele Tiere können zwar schneller laufen als wir, dies jedoch nicht allzu lange. Und dies machten sich die Menschen vor vielen tausend Jahren zu Nutze. In den USA wurden aus vielen ehemaligen Langstrecken-Pferderennen heutige Läufe Pferd gegen Mensch. Klarer Sieg für den Vierbeiner, könnte man meinen. Aber weit gefehlt. Obwohl das Pferd schneller laufen kann, ist der Mensch über eine genügend weite Distanz dem Tier überlegen.

Wir laufen, wenn wir Angst haben, wir laufen, wenn wir höchste Glücksgefühle empfinden, wir laufen vor unseren Problemen davon und wir laufen, um uns zu vergnügen.

Weshalb? Nun ja, auf Details verzichte ich an dieser Stelle. Dafür empfehle ich das Buch Born To Run von Christopher McDougall. Nur soviel: wir sind zum Laufen geboren.

Schuhe – Hightech versus Barfuss

Wie wir nun wissen, ist der menschliche Körper zum Laufen gebaut. So auch die Füsse. Weshalb also tragen wir heute hochentwickelte Laufschuhe an den Füssen? Klar, wir tragen für alles irgendwelche Schuhe. Für fast alles zumindest. Auch könnte ich mir nicht vorstellen, barfuss über Wald- und Forstwege zu laufen. Doch gerade die unangenehmen Untergründe hatten früher auch zur Folge, dass der Mensch nicht zu schnell lief. Lange, aber in angepasstem Tempo.

„Kein Wunder, dass deine Füsse so empflindlich sind“, überlegte Ted. „Sie sind Fortbewegungsmittel, die sich selbst korrigieren. Wenn du deine Füsse in gepolsterte Schuhe steckst, ist das so, als würdest du zu Hause den Rauchmelder ausschalten.“

Tatsächlich stieg die Verletzungshäufigkeit mit dem Tragen der modernen Laufschuhe, welche ab den 1960er-Jahren entwickelt wurden. Im Grunde jedoch weiss der Körper selbst am besten, wie er sich zu halten hat beim Laufen. Werden die Füsse durch die Schuhe  falsch gestützt und gedämpft kann dies auch eine gefährliche Kettenreaktion durch den Körper auslösen. Beine und Rücken gleichen die Bewegungen aus. Nur: anhand welcher Quelle, wenn dies nicht mehr der eigene Fuss ist?

„Da kamen diese kleinen Burschen mit Sandalen, die sich auf dieses Rennen überhaupt nicht vorbereitet hatten. Und sie liessen einige der besten Langstreckenläufer der Welt einfach stehen.“

Keine Angst. Ich selbst würde niemals für das Laufen auf meine Laufschuhe verzichten. Aber ganz ohne Wahrheit kann die Darlegung von Christopher McDougall wohl nicht sein.

Ultralangstreckenläufe – verrückt oder genial?

Fünfmal habe ich bisher am Halbmarathon um den Greifensee teilgenommen. Das wären dann bisher total 105.5 Kilometer. Ein Marathon sehe ich für mich überhaupt nicht. Zu lange die Distanz, zu gross der Trainingsaufwand. Ja, und dann gibt es da diese ganz eigene Läuferschar – die Ultralangstreckenläufer. Sie laufen einfach los, nur weil sie Freude am Laufen haben. Aus keinem anderen Grund. Mein Eindruck aus dem Buch ist, dass man dazu auch ziemlich verrückt sein muss. Von Vernunft kann hier meistens nicht mehr gesprochen werden.

Doch jedes Jahr im Juli sind 90 Läufer aus aller Welt bis zu 60 Stunden lang auf dem brodelnden schwarzen Teerband des Highway 190 unterwegs und achten unterwegs darauf, dass sie immer auf den weissen Markierungen laufen, damit die Sohlen ihrer Laufschuhe nicht schmelzen.

Wer von euch hätte Lust, mal am Badwater Ultramarathon teilzunehmen? Über 135 Meilen (rund 217 Kilometer) geht es vom Badwater Bassin im Death Valley (85 Meter unter Meeresspiegel) bis zum Whitney Portal auf 2’530 Meter über Meer. Der Lauf findet meist im Juli statt, wo regelmässig Temperaturen von über 50 Grad Celcius herrschen. In diesem Jahr hat man vom 23. bis 25. Juli 2018 die Chance, auf einige der verrückt-genialen Läufer zu treffen.  2005 und 2006 gewann Scott Jurek aus den USA. Er ist einer der Läufer aus den USA, welcher mit Christopher McDougall in die Copper Canyons zum Rennen gegen die Tarahumara reiste. Eine wichtige Rolle im Buch spielt auch das 100-Meilen-Rennen von Leadville in Colorado inmitten der Rocky Mountains. Hierher reisten einst einige Läufer der Tarahumara und gewannen, als ob es nichts anderes gäbe.

USA Death Valley Badwater Bassin

Strasse in der Nähe des Badwater Bassin im Death Valley, USA. (Foto: Juni 2011)

Auch in der Schweiz gibt es Ultraläufe für ganz Verrückte. So finden am 11. und 12. Mai 2018 die Bielersee Ultraläufe statt mit Distanzen bis zu 160 Kilometer (100 Meilen). Oder am 9. und 10. Juni der Swiss Canyon Trail im Val-de-Travers mit der längsten Distanz über 105 Kilometer. Vom 13. bis 15. Juli startet man in Grindelwald zum Eiger Ultra Trail über bis zu 101 Kilometer und vom 27. bis 29. Juli findet in Davos der bekannte Swissalpine statt mit einer maximalen Distanz von 127 Kilometer sowie über 6’500 Höhenmeter rauf und runter. Am gleichen Wochenende kann man zum Abschluss des Monats noch am Montreux Trail Festival über lockere 164 Kilometer starten. Im August geht es Schlag auf Schlag weiter: am 17. August findet der Supertrail du Barlatay über bis zu 87 Kilometer statt und tags darauf, am 18. August der Mountainman auf Melchsee-Frutt in der Innerschweiz über gut 64 Kilometer. Die Auswahl ist also selbst hierzulande gross und es gibt noch einige mehr als hier erwähnt mit Distanzen bis zu 80 Kilometern.

Caballo Blanco und sein grosses Rennen in den Barrancas del Cobre

Nun aber zurück in die Wildnis Mexikos. Verschiedene Entwicklungen führen dazu, dass Caballo Blanco, eine zu Beginn sehr mysthische Figur, in den Bergen und Schluchten der Barrancas del Cobre ein Rennen veranstaltet. Ein Rennen der schnellsten und verrücktesten Läufer der Welt gegen die schnellsten und glücklichsten Läufer der Welt. Mit von der Partie sind unter anderen auch Scott Jurek und Christopher McDougall. Letzterer hat die ganze Reise aus der USA aus organisiert und ist sich bis zuletzt nicht sicher, ob sie tatsächlich auf Caballo Blanco treffen werden. Dieser wiederum ist sich bis zuletzt nicht sicher, ob die Tarahumara überhaupt zum Rennen erscheinen werden. Das Rennen selbst ist also alles andere als sicher.

Ultramarathon Caballo Blanco Born To Run

Ultramarathon Caballo Blanco vom Jahr 2012 (Quelle: Christopher McDougall)

Dies trifft genauso auf die Gegend der Copper Canyons zu. Diese werden von Drogenclans beherrscht und es ist somit weitgehend gesetzloser Raum. Immer wieder verschwinden Menschen. Einfach so, spurlos und für immer in den Tiefen der Schlucht. Auch ist die Gegend aufgrund der kargen Felsenlandschaft und grossen Hitze mit um die 40 Grad Celsius eine Gefahr für sich. Dies müssen einige Mitglieder der Renngruppe um Christopher McDougall hautnah miterleben. Es ist mir jedoch ein Rätsel, weshalb sich diese Leute teilweise dermassen fahrlässig verhalten.

Er war schon vor Jahren nach Mexiko gekommen und in die wilden, unzugänglichen Barrancas del Cobre gezogen – die Copper Canyons -, um dort unter den Tarahumara zu leben, einem sagenumwobenen Stamm steinzeitlicher Superathleten.

Die Geschichte gipfelt im alles überragenden Rennen in Urique in den Copper Canyons, als sich die Tarahumara-Läufer gegen die besten Ultralangstreckenläufer der USA oder gar der Welt messen. Caballo Blanco alias Micah True verstarb im Jahr 2012. Mehr Informationen über sein Leben, das Ultra-Rennen in Urique sowie die Tarahumara gibt es auf Norawas de Raramuri. Der Klick auf die Seite lohnt sich.

Christopher McDougall und seine Laufbegeisterung

Getragen wird die ganze Geschichte von der grossen Laufbegeisterung des Autors Christopher McDougall. Wer selbst Freude hat am Laufen, wird das Buch lieben. Man muss dafür nicht so verrückt sein, wie die Läufer des Buches. Dazu sind einige wenige auserkoren. Aber es macht Freude, die Entwicklung von McDougall mitzugehen bis hin zum grossen Rennen in Mexiko. Denn zu Beginn stand die mehrfache Diagnose für ihn selbst: „du bist nicht zum Laufen geschaffen“.

Born To Run Christopher McDougall

Christopher McDougall (Quelle: Christopher McDougall)

Eine Diagnose, mit welcher sich Christopher McDougall nicht abgeben wollte. Also machte er sich auf die Suche nach einem Weg, trotzdem weiter laufen zu können. Auf die Suche nach dem Geheimnis des glücklichen Laufens. Ein Geheimnis, welches er bei den besten Läufern der Welt fand – beim sagenumwobenen Stamm der Tarahumara in den mexikanischen Copper Canyons.

Abenteuerliche BUCHweltreise in die Sierra Madre

Eine abenteuerliche, begeisterte und äuserst interessante Reise durfte ich auf meiner BUCHweltreise in Mexiko erleben. In den Barrancas del Cobre, den Copper Canyons, in den Sierra Madre. Auf der Suche nach den schnellsten und glücklichsten Läufern der Welt. Dieses Buch möchte ich insbesondere allen Laufbegeisterten empfehlen. Auch wenn die ersten Seiten etwas harzen, lest weiter. Der rote Faden mit der Reise zum Rennen in Mexiko ist gespickt mit vielen spannenden Geschichten. Immer wieder fragte ich mich, wie man dermassen verrückt sein kann. Aber es zeigt, dass wenn man für etwas begeistert ist, einfach alles möglich ist.

Born To Run Christopher McDougall BUCHweltreise

Auf BUCHweltreise bei den Tarahumara in den Copper Canyons in Mexiko.

Christopher McDougall: Born To Run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt. Heyne Verlag, 2015. Originalausgabe: 2009. Mit einem Klick kaufen bei Amazon.de.

Weitere Informationen zu den Tarahumara finden sich auf Wikipedia. Abschliessend folgt ein Video von Christopher McDougall. Weitere Videos von ihm und seinen Vorträgen gibt es auf seiner Homepage.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links.

2 Antworten

  1. umgeBUCHt sagt:

    Mich hat das Laufen nie mehr losgelassen, obwohl ich es trotz gemütlichem Tempo vor etlichen Jahren aufgrund von Knieproblemen aufgeben musste. So ein Langstreckenlauf durch Mexiko hat sicherlich sein ganz eigenen Reiz und darüber zu lesen weckt Sehnsüchte. Wäre das etwas für dich?

    • Stefan sagt:

      Ich laufe viel und gerne, bis zu Distanzen von rund 20 Kilometern. Aber zu grosse Hitze mag ich überhaupt gar nicht ertragen und solche Langdistanzläufe mit vielem hoch und runter wäre mir definitiv zu viel. Da geniesse ich viel lieber die Runden in meinen heimischen Wäldern.
      Liebe Grüsse, Stefan

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