Laufen, Joggen, Rennen oder doch Seckle?

Ich gehe regelmässig laufen. Jogge um den See, renne durch den Wald oder muss auch mal frühmorgens auf den Bus “seckle”. Alles dasselbe oder doch nicht? Ja, nein und wieder ja. Und doch nicht. Es gibt Vorlieben und noch vielmehr gibt es regionale Unterschiede. Je nach Dialekt, den man so von sich gibt. Das macht es interessant, kann aber auch anstössig wirken.

So gehe ich seit eh und je “go seckle”, was in meiner Herkunftsregion um Luzern ganz natürlich und super sportlich ist. Seit meinem Umzug in die Region Zürich wird das Wort eher negativ empfunden. Nun, machen wir doch einen kleinen Ausflug in die Welt von Laufen, Joggen, Rennen – und eben Seckle.

Gring ache u seckle

Wer kennt ihn nicht, den allseits bekannten Erfolgssatz der erfolgreichen Läuferin Anita Weyermann, welchen sie 1997 nach dem Gewinn von WM-Bronze über 1’500 Meter von sich gab. So einfach kann es also sein, eine WM-Medaille zu gewinnen. Nein, natürlich nicht. Nur rechtfertigt dies, weshalb auch ich meist “seckle” und weniger renne oder laufe. Zumindest in meinem Schweizerdeutschen Wortgebrauch. Halt einfach so, wie ich tagein tagaus rede. Im allerschönsten Luzerner Dialekt.

Mit “Seckle” meine ich damit sowohl normales Joggen oder Laufen wie aber auch schnelles Rennen. Ist die Zeit knapp, den Bus noch zu erwischen? Dann seckle oder renne ich zur Haltestelle. Habe ich genügend Zeit, so laufe ich. In beiden Fällen werde ich jedoch nicht joggen.

Den negativen Beiklang des Wortes Seckle kommt wohl von früher. Ursprünglich kommt es gemäss einigen nicht ganz klaren Quellen vom Seckel, dem Hodensack. Und deshalb sollte man es nicht verwenden. In diese Richtung geht auch die Erklärung im Schweizerischen Idiotikon, in welcher die altherkömmliche Bedeutung von seckle mit dem Geldsack und dem verteilen respektive verwalten von diesem beschrieben wird. Daher kommt wohl auch die Bezeichnung des Seckelmeisters oder heute dem Kassier oder Finanzchef.

Laufen – spazieren, joggen oder rennen?

Auf meinem Blog verwende ich Laufen in aller Regel für das sportliche Laufen. Für mich auch gerne als Joggen bezeichnet. Dazu trage ich passende Sportbekleidung und Laufschuhe. In Mundart gesprochen gehe ich dann joggen oder seckle. Nicht jedoch rennen, das liegt mir einfach weniger auf der Zunge, was aber mehr an meiner Herkunft liegt. Und zudem verstehe ich unter rennen vielmehr einen schnellen Lauf oder gar einen Sprint auf kürzere Distanz.

Verwende ich Laufen in Mundart, so meine ich damit viel eher gemütliches Spazieren. Sich einfach zu Fuss fortbewegen. Immer mal wieder habe ich selbst den Konflikt, genau wiederzugeben, was ich denn nun meine. Spreche ich Hochdeutsch, denke aber Schweizerdeutsch, so kann Laufen auch mal missverstanden werden. Deshalb gehe ich normalerweise Joggen, wenn ich Laufen gehe. Liest man ein wenig rum, so ist Joggen bei “richtigen” Läufern nicht ganz so beliebt.

Wichtig ist nicht, wie es heisst – wichtig ist, was man tut!

Doch wann ist man ein richtiger Läufer und weshalb sollte Joggen weniger gut sein? Wichtig ist doch im Endeffekt nicht der Name, sondern die Bewegung selbst. Egal, ob wir einen gemütlichen Spaziergang machen, in den Bergen wandern oder möglichst schnell einen Laufwettkampf rennen – Hauptsache, wir Laufen, Joggen, Rennen – und Secklen.

Oder kennt ihr noch weitere Ausdrücke? Beim Googeln nach weiteren möglichen Wörtern bin ich auf den Beitrag Laufen, Rennen, Joggen, Flitzen… auf laufen-total.de gestossen und so weiss ich, dass man im deutschen Lausitz auch Loofen geht. Bestimmt gibt es noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, sich zu bewegen und doch immer dasselbe zu tun. Wie auch immer ihr es nennt, bleibt in Bewegung!

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